Belle Époque

Als "Belle Époque", "das schöne Zeitalter" bezeichnet man eine Zeitspanne zwischen dem deutsch-französischen Krieg von 1870-71 und dem Ausbruch des I. Weltkriegs 1914, die meist auf die Jahre 1880 bis 1910 eingegrenzt wird. Diese Phase ist in Mitteleuropa eine Zeit des Friedens, des Optimismus, des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts, des Wohlstands und Luxus und damit verbunden auch einer einzigartigen Blüte von Kunst und Kultur. Günter Metken dazu treffend:

"Bei den Worten Belle Époque hellen sich die Gesichter auf. Paris wird lebendig; lichtflirrende Boulevards, elegante Toiletten, Rennplätze, Saison in Longchamp, in Chantilly, Hüte auf Köpfen beiderlei Geschlechts. Belle Époque meint die Hauptstadt und ihre Ausstrahlung, meint Theater, Music-Halls, Café-Concerts, exklusive Restaurants; auch das Sehen und Gesehenwerden, wozu die Mode und ihre Accessoires, die üppigen Einrichtungen, der viele Nippes, das Glitzern auf Services und Kristallgläsern gehört." (1)

In der Tat ist die Belle Époque in der Großstadt, und hier insbesondere in Paris besonders lebendig. Voraussetzung für die Blüte der Belle Époque war in Paris die große städtebauliche Erneuerung (siehe Paris) mit den breiten Boulevards, den großen Verkehrsachsen und den neuen Belle-Époque-Bauten, die den Raum für das mondäne Leben erst schuf. Auch die drei in Paris stattfindenden Weltausstellungen von 1878, 1889 und 1900 spielten eine große Rolle.

Das neureiche, mondäne Paris suchte sich seine Ablenkung und Zerstreuung in allen erdenklichen Formen des Entertainment und der Kunst. Die heute noch populären Cabarets, Folies Bergère (1869) oder das Moulin Rouge (1889) eröffneten zur Zeit der Belle Époque.

Viele Kunstrichtungen gediehen: in der Musik der Impressionismus, der auch in der Bildenden Kunst eine wichtige Rolle spielte. Hauptrichtung der Belle Époque ist allerdings die Art Nouveau, im Rest Kontinentaleuropas Jugendstil genannt. In der Literatur gedieh der Symbolismus. Gegen Ende der Belle Époque setzte sich in allen Kunstrichtungen langsam schon der Expressionismus durch, der die Schrecken des I. Weltkriegs vorwegnahm.

So ist auch die Belle Époque eine Ära, die ihren verklärenden Namen erst aus der Rücksicht, aus dem Horror der folgen sollte, erhielt. Denn klar ist, auch in der Belle Époque war nicht alles nur eitel Sonnenschein und es gab auch in dieser Zeit die gesellschaftlich Benachteiligten, auf deren Rücken das süße Leben ausgetragen wurde.


(1) Metken, Günter. Belle Époque. Focus Magazin Nr. 23, 1994. Quelle: http://www.focus.de/kultur/medien/kultur-belle-epoque_aid_147184.html

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Jochen Scheytt
ist Lehrer, Pianist, Komponist, Arrangeur, Autor und unterrichtet an der Musikhochschule in Stuttgart und am Schlossgymnasium in Kirchheim unter Teck.