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| Al Jarreau's Vater stammte aus New Orleans, der Wiege des
Jazz. Daß er Jazzfan war, ist für Al heute deshalb eine Selbstverständlichkeit: |
| "Since Dad was from New Orleans, he was kindly to it
[Jazz]".4 |
| Jazz - das war die Musik, die Al von Kind an hörte, die er liebte
und die ihn prägte. Und Jazz war auch die Musik, die im Hause Jarreau
praktisch ausgeübt wurde - vor allem vokal. |
| "My older brother had a fine tenor voice. The next one
was more the jazzer. I'd sit around and watch them rehearse, and I learned
a lot. They did sort of "Four Freshmen harmonies".... Sometimes one brother
would sing a line and we'd sing it back. Or he'd make a funny sound with
his mouth and we'd repeat it."5 |
| Die "Four Freshmen" waren eine vierköpfige Vokalgruppe, bestehend
aus vier Männern, die durch ihre vierstimmigen Vokalsätze in
ganz enger Lage bekannt wurden. Meist begleiteten sie sich mit ihren Instrumenten
(g, b, dr, tp) während des Singens selber. |
| Darüberhinaus war das Radio ein wichtiger Bezugspunkt für
den kleinen Al. |
| Daddy-O-Dailey. That was a radio show from Chicago. I'd
listen to that with my oatmeal every morning before school"6 |
| Hier hörte er Jazzgrößen wie Ella Fitzgerald, Dizzie
Gillespie, Jon Hendricks, Illinois Jacquet und auch Nat King Cole. Nat
King Cole - der ursprünglich Pianist war, sich aber bald hauptsächlich
dem Gesang widmete - ist ein frühes Beispiel für einen Jazzmusiker,
der sich durch wachsende Popularität mehr der populären Musik
zuwandte. |
| Wenn man Al Jarreau fragt, wer den größten Einfluß
auf ihn gehabt habe, führt er an erster Stelle Jon Hendricks auf.
Von ihm habe er - so Al Jarreau - gelernt, schnelle, instrumental gedachte
Melodien so zu singen, daß er zusätzlich auch noch die Botschaft
und Bedeutung des Songs vermitteln könne.7 Jon Hendricks
wurde mit dem von ihm gegründeten Vokaltrio "Lambert, Hendricks and
Ross" berühmt. Diese drei hatten sich anfangs darauf spezialisiert,
BigBand-Arrangements von Count Basie und die dazugehörenden originalen
Instrumentalsoli mit Texten zu versehen und dann beides zusammen vorzutragen.
Diese Technik, die ein sehr hohes technisches Können verlangt, hat
sich bis heute bei Gesangsgruppen wie "Manhattan Transfer" erhalten. Bei
Al Jarreau begegnen wir diesem Verfahren bei seinen Aufnahmen von "Spain",
"Blue Rondo a la Turk" und "Take five", alles nachträglich von ihm
selber getextete, ursprünglich instrumentale Jazzstücke. |
| Weiterhin von großem Einfluß auf ihn waren die Meister
des scat-Gesangs, dem Singen und Improvisieren mit "zusammenhanglosen,
lautmalerisch improvisierten Silben."8 Hier haben sich
Louis Armstrong, Cab Calloway, Sarah Vaughan und vor allem Ella Fitzgerald
einen Namen gemacht. Al Jarreau sagt selber über diese Einflüsse: |
| "I've just taken a principle and developed my own style,
my own personal approach to the way I hear the music inside of myself."9 |
| Nicht vergessen werden aber darf ein Phänomen, das in den Sechzigerjahren
in Form des Bossa Nova auftauchte: südamerikanische Rhythmen, verbunden
mit "nordamerikanischem" Jazzfeeling. |
| "1964 brach die Musikwelle aus Brasilien über mich
herein. Diese Musik bestimmte fortan mein Leben. Sie warf mich einfach
um."10 |
| In der Praxis wirkte sich dieser Einfluß in der intensiven Zusammenarbeit
mit dem brasilianischen Gitarristen Julio Martinez aus, später dann
in Aufnahmen wie "Agua de beber" oder "Easy". |
| Sicherlich gibt es noch eine Menge anderer Musik, die Al Jarreau bewußt
oder unbewußt beeinflußt hat, vor allem aus dem Rock- und Popbereich.
Diese Einflüsse dürften allerdings nicht so gravierend sein;
eine detailliertere Darstellung würde zu weit führen. Überlassen
wir nun das zusammenfassende Schlußwort in diesem Zusammenhang Al
Jarreau selber: |
| "So I'm really a product of a lot of different music.
The whole American scene was an influence as a part of my past, but probably
the jazz stuff was the most important."11 |
4zitiert nach: Steve Bloom, Breakin' away,
in: down beat Vol. 49/2, 2/1982, S. 26
5zit. nach: Marc Rowland, Has the adult contemporary
songwriter eclipsed the jazzsinger?, in: Musician Nr. 75, 1/1985, S. 25
6ebda.
7Gudrun Endress, Al Jarreau im Wunderland,
in: Jazz Podium 3/1977, S. 8
8Ziegenrücker/Wicke, Sachlexikon Popularmusik,
a.a.O., S. 344
9zit. nach: Lee Underwood, The amazing acrobat
of scat, in: down beat Vol. 45/6, 3/1978, S. 16
10zit. nach: Interview mit Al Jarreau, Deutschlandfunk,
28.8.92 (Verfasser nicht bekannt)
11zit. nach: Sandra Cooper, Never giving up,
in: Jazz Forum Nr. 71, 3/1981, S. 43 |
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