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Kurz gefasst: |
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Klassik in Popsongs
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Klassische Stücke als Grundlage für Popsongs |
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Literatur in Popsongs
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Popsongs mit literarischen Anspielungen oder Inhalten. |
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| A whiter shade of pale |
Interpret: Procol Harum Jahr: 1967 |
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| Immer wieder wird behauptet "A whiter shade of pale" sei eine Coverversion von
Johann Sebastian Bachs "Air" aus der Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur, BWV 1068. Ist diese Behauptung nun
richtig oder nicht? |
| Es ist nicht richtig, wobei man differenzieren muss. Der ganze Song "A whiter shade of
pale" ist auf jeden Fall von Bachs Musik inspiriert und benutzt für den Anfang eine harmonische
und melodische Wendung, die bis zu einem gewissen Punkt mit Bachs "Air" identisch ist. |
| Classic Rock |
| Rein musikgeschichtlich gesehen war "A whiter shade of pale" so etwas wie ein
Trendsetter bei der Verbindung von klassischer Musik und Rockmusik. Schon die Beatles hatten
zaghafte Versuche unternommen und etwa ein klassisches Streichquartett bei ihren Aufnahmen
eingesetzt ("Yesterday", "Eleanor Rigby"), und klassische Trompetensoli ("Penny Lane", "For no one")
finden sich bei ihnen genauso wie ganze Sinfonieorchester ("A day in the life").
Bei den Beatles waren dies allerdings nur Farbtupfer; nette Goodies, die ihre Experimentierfreude
unterstrichen und den Songs eine interessante Note verliehen. Die Beatles erhoben die klassischen Elemente zwar nicht zum Prinzip, waren aber trotzdem
ein Vorreiter und wiesen dem was kommen sollte den Weg: dem Classic Rock. |
| Auf Procol Harum und das bahnbrechende "A whiter shade of pale" folgten sehr schnell
andere Gruppen wie Deep Purple, The Moody Blues oder
The Nice, die alle mit ihrer Fusion aus Klassik und Rock erfolgreich waren.
Den Höhepunkt des Classic Rock bildeten Anfang der 70er dann Aufnahmen wie "Beethoven's Fifth"
von der Gruppe Ekseption, oder "Bilder einer
Ausstellung" (Pictures at an exhibition) von Emerson, Lake & Palmer. |
| Der Kompositionsprozess |
| Gary Brooker, Sänger und Pianist der Band Procol Harum, schrieb "A whiter shade
of pale" 1967. In einem Interview aus dem Jahr 1990 erklärt er, wie er sich beim
Komponieren zwar an originalem Material von Bach orientiert, dies auch als Ausgangspunkt
benutzt, es aber nach ein paar Takten schon verfremdet und verändert. |
| "Yeah, well I think Bach is still around, I think he's still in the back of my
mind somewhere, because I still find even today, if I can't get an original start to a song,
that I'll get out the 48 preludes and fugues [Bachs 24 Präludien und Fugen aus dem
"Wohltemperierten Klavier" in zwei Bänden] and play one of them at a quarter the speed it
should be and perhaps backwards, or something, and it will give me just a little start to
something."(1) |
| Dass hierbei auch mangelnde Fertigkeiten im Notenlesen eine Rolle spielen, gibt er
im selben Interview auch zu: |
| "I'm a terrible reader, but I can read, but by the time I've struggled through
the first four or five bars I've probably gone off on to a song by then. It's been enough,
I mean the music is so good, I've got the spirit, suddenly it's given me three chords to start
on, and I'm away"(2) |
| A whiter shade of pale |
| Mit dieser Aussage erklärt er auch treffend die Gemeinsamkeit zwischen Bachs
"Air" und "A whiter shade of pale". Es sind die ersten fünf Akkorde, die sich unter der lang
ausgehaltenen ersten Note der Melodie stufenweise nach unten bewegen. Ab dem sechsten Akkord
entfernt sich der Harmonieverlauf vom "Original". Der erste Melodieton, der ebenfalls
identisch ist, wird bei "A whiter shade of
pale" über zwei Akkorde ausgehalten; bei Bachs "Air" liegt dieser
Ton noch über zwei weitere Akkorde, ehe er weitergeführt wird. |
Über die folgenden zwei Midi-Files kann dies hörenderweise nachvollzogen
werden. Bachs "Air" wurde dazu nach C-Dur transponiert.
Anfang von Bachs "Air"
Anfang von "A whiter shade of pale" |
| Wem diese musikalische Analyse zu ungenau ist, der sei auf folgende Seite verwiesen,
die die Angaben präzisiert und die entsprechenden Notenbeispiele bereit hält:
Does "A Whiter Shade" quote Bach? (momentan
leider anscheinend inaktiv). |
| Diese Seite stellt auch die doch recht vage melodische Beziehung von
"A whiter shade of pale" zum Bachchoral
"Wachet auf, ruft uns die Stimme", BWV 645 dar, der auch oft als Grundlage von "A whiter shade
of pale" genannt wird. |
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(1) zitiert nach einem Interview mit Gary Brooker, 1990 geführt von
Carsten Overgaard and Niels-Erik Mortensen. Nachzulesen unter
http://www.procolharum.com/niels_4.htm.
(2) ebda. |
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