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Kurz gefasst: |
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Klassik in Popsongs
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Klassische Stücke als Grundlage für Popsongs |
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Literatur in Popsongs
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Popsongs mit literarischen Anspielungen oder Inhalten. |
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Gastmusiker |
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Wer singt oder spielt im Hintergrund? |
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Kennen oder vermissen Sie einen bekannten Song auf diesen Seiten, der ähnlich wie die anderen eine interessante Geschichte besitzt und
über den es sich zu schreiben lohnen würde? Mailen Sie mir! |
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| Sonderzug nach Pankow |
Interpret: Udo Lindenberg Jahr: 1983 |
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| Tief im Osten und tief in den Achtzigern existierte noch der real-existierende
Sozialismus. Einige verknöcherte alte Bonzen klammerten sich in der Deutschen Demokratischen
Republik mit aller Macht und mit
Hilfe einer perfekten Spitzelorganisation - genannt Staatssicherheitsdienst - an ihre Posten.
Vielleicht ahnten sie 1983 schon, dass ihre Zeit ablaufen würde. Hätten sie sich
sonst vom Deutschrocker Udo Lindenberg so bereitwillig durch den Kakao ziehen lassen? |
| Der wollte nämlich Anfang 1983 einige Konzerte in der damaligen DDR geben, was ihm
aber von deren Führung verboten wurde. Die war damals immer noch ängstlich darauf bedacht,
so wenig westliche Einflüsse wie möglich ins Land zu lassen, um keine weiteren
Begehrlichkeiten in der eigenen Bevölkerung zu schüren. Die lebte nämlich in
äußerst bescheidenen Lebensumständen, was man von der Führungsspitze nicht
behaupten konnte. |
| Die hatte es sich in Berlin-Pankow gemütlich gemacht, einem grünen
Stadtbezirk im Norden Berlins, in dem die Privilegierten des Staates wohnten und der seit den 60ern
zum Synonym für das Regime der DDR geworden war. |
| Darauf spielt Udo Lindenberg in seinem Lied "Sonderzug nach Pankow" an, mit dem
er auf die Konzertabsage reagiert. Er bittet darum, doch in der DDR ein Konzert geben zu
dürfen und nimmt dabei vor allem den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker derart auf
die Schippe ("Oberindianer", "Honey", "sturer Schrat"), dass der Song in kurzer Zeit in aller
Munde ist und sich alle köstlich amüsieren. Vor allem die Unterstellung, dass "Honey" Honecker,
genauso wie seine Bürger heimlich - aufm Klo, und mit Lederjacke - Westradio hört,
was offiziell ja verboten ist, ist natürlich höchst ironisch, aber auch provokant. |
| Trotzdem, oder gerade deswegen: der Song zeigt Wirkung. Noch im gleichen Jahr, am
25. Oktober 1983, darf Udo Lindenberg im Rahmen eines Konzerts unter dem Titel "Rock für
den Frieden" im Palast der Republik auftreten. Die Frechheit hat gesiegt. |
| Musikalisch basiert der Song im Übrigen auf Harry Warrens Swing-Klassiker
"Chatanooga Choo Choo" aus dem Jahr 1941, der vor allem in der Version von Glenn Miller weltberühmt geworden ist. |
| Der gesprochene russische Text am Ende der Aufnahme, "Towarischtsch Erich!
Meshdu protschim, werchownij sowjet ne imejet nitschewo protiw gastrolej Gospodina Lindenberga w
GDR!" bedeutet auf deutsch: "Genosse Erich, im Übrigen hat der Oberste Sowjet nichts gegen ein
Gastspiel von Herrn Lindenberg in der DDR". Die Stimme soll einen der sowjetischen Führer darstellen,
die ja bekanntlich die DDR-Führung gelenkt haben.
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| Am 3. Oktober 2003, also zwanzig Jahre nach diesen Ereignissen, feierte der
Sonderzug nach Pankow sozusagen eine Wiederauferstehung. Das heißt, eigentlich gab es ihn
zum ersten Male wirklich. 13 Waggons, die von Udo Lindenberg selbst künstlerisch gestaltet
wurden, fuhren aus Anlass der Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit von Berlin nach Magdeburg.
Sie sollten symbolisch die auch 13 Jahre nach der Wiedervereinigung vorhandenen Mauern in den
Köpfen der Menschen in Ost und West einreißen. |
| Nachtrag: Natürlich geriet Udo Lindenberg durch seine gezielten Provokationen
und durch den Auftritt in der DDR ins Visier der Staatssicherheit. Der eigens von der Stasi auf
ihn angesetzte Clement de Wroblewsky, alias IM "Ernst" sammelte fleißig Material.
Es existieren insgesamt circa 100 Seiten, die Udo Lindenberg jetzt zu lesen bekam. Weitere
Informationen dazu unter
http://www3.mdr.de/kulturreport/280304/thema_lindenberg.html. |
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