Deep Purple: Smoke On The Water

Rauch über dem Wasser und Feuer am Himmel - der Kasinobrand von Montreux und seine Folgen

Deep Purple und ihr Tross beobachteten das Inferno aus sicherer Entfernung in einem Restaurant, in das sie sich geflüchtet hatten. Sie sahen zu, wie sich der Rauch über dem Wasser des Genfer Sees ausbreitete. Einige Stunden zuvor hatten sie noch in dem Kasino gesessen, von dem nur noch die Grundmauern übriggeblieben waren.

Die britische Hard-Rock-Gruppe Deep Purple hatte sich Ende 1971 nach Montreux begeben, um ihr neues Album mit dem Titel Machine Head aufzunehmen. Sie hatten dazu ein mobiles Studio in einem Lastwagen, das Rolling Stones Mobile Unit, angemietet. Dieser Lastwagen gehörte tatsächlich den Rolling Stones, die ihn sich 1968 eingerichtet hatten, um von Aufnahmestudios unabhängiger zu werden und Alben auch an entlegeneren Orten aufnehmen zu können. Dieser mit modernstem Equipment ausgerüstete Truck wurde oft auch an andere Bands vermietet und stand Deep Purple für ihre Aufnahmesessions im Kasino von Montreux zur Verfügung.

Der Hintergrund für die ungewöhnliche Wahl eines Kasinos als Aufnahmestudio war, dass die Band für ihr neues Album nicht den trockenen, sterilen Sound eines herkömmlichen Studios wollte, sondern den hallenden Sound einer Konzertbühne. Sie wollten in anderen Worten ein Studioalbum mit dem Sound eines Live-Konzerts, aber ohne Publikum. (1)


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Das konnte das Kasino in Montreux bieten. So waren Anfang Dezember 1971 die Gruppe mit Familien und Freunden, die Techniker, das Equipment und das rollende Studio in Montreux angekommen. Der Truck mit dem mobilen Studio parkte schon direkt am Kasino, doch mit dem Aufbau konnte noch nicht begonnen werden, weil Frank Zappa & the Mothers of Invention im Gebäude zuerst noch ein Konzert gaben, das die Musiker von Deep Purple besuchten. Während dieses Konzerts gab es einen Feueralarm, weshalb das Kasino geräumt werden musste.

Es war auch wirklich ein Feuer ausgebrochen, über dessen Ursache keine Einigkeit herrscht. Deep Purple schreiben in ihrem Liedtext von irgendeinem Idioten mit einer Signalpistole, doch auch ein elektrischer Defekt scheint nicht ausgeschlossen. Tatsache ist, dass das Kasino - mit dem gesamten Equipment Frank Zappas im Wert von 48.000 Dollar (2) - bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Claude Nobs, Direktor des Touristenbüros in Montreux und späterer Gründer des Montreux Jazz Festival, war derjenige, der für Deep Purple den Aufenthalt in Montreux und das Kasino als Aufnahmemöglichkeit organisiert hatte. Er organisierte auch die Evakuierung des Gebäudes und versuchte zu retten, was zu retten war. "Funky Claude" ist im Liedtext verewigt und sein Bild ist auf dem Plattencover von Machine Head zu sehen.

Im letzten Moment weggefahren werden konnte auch das Rolling Stones Mobile Unit, so dass die Aufnahmen doch noch gemacht werden konnten. Man musste sich nur nach einem neuen geeigneten Ort umschauen. Keine leichte Aufgabe, aber man fand schließlich das im Winter leerstehende Grand Hotel, wie der Keyboarder der Gruppe, Jon Lord, mitteilt. Hier fanden Deep Purple nicht nur einen Ort, wo sie ungestört und ohne über Studiozeiten nachdenken zu müssen proben und aufnehmen konnten, sondern wo sie in den großzügigen Räumlichkeiten auch den halligen Sound vorfanden, den sie sich eigentlich vom Kasino versprochen hatten.

Nach drei Wochen intensiver Arbeit, noch im Dezember 1971, beendeten Deep Purple ihre Aufnahmen und reisten ab. Geblieben ist mit Smoke On The Water einer der legendärsten Rocksongs mit einem der einprägsamsten und bekanntesten Gitarren-Riffs der Rockmusik.

Siehe auch Smoke On The Water (Riff).

(1) Glover, Roger. The Making of "Machine Head“: http://www.thehighwaystar.com/interviews/glover/rg_mh.html. Abgerufen am 30.12.2019.
(2) Bloom, Harold. DEEP PURPLE + 1 FIRE + 12 MATTRESSES = "MACHINE HEAD" https://www.thehighwaystar.com/rosas/mh25/circus.html. Abgerufen am 30.12.2019.

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  © 2020 by Jochen Scheytt

Jochen Scheytt
ist Lehrer, Pianist, Komponist, Arrangeur, Autor und unterrichtet an der Musikhochschule in Stuttgart und am Schlossgymnasium in Kirchheim unter Teck.