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Rapper's Delight
Interpret: Sugarhill Gang
Jahr: 1979
Als Grandmaster Flash and the Furious Five 1982 ihre "Message" von der unerträglichen Situation der afroamerikanischen Bevölkerung in der South Bronx in die Welt hinausschleuderten, läuteten sie eine neue Epoche in der Geschichte des Hip Hop ein, die heute gemeinhin als "Old School" bezeichnet wird. Drei Jahre waren zu diesem Zeitpunkt vergangen, seit der Hip Hop zum ersten Mal ins Licht einer großen Öffentlichkeit getreten war.
Steht man heute vor einer 8. Schulklasse und erzählt ihnen, dass der Hip Hop, und mit ihm der Rap schon um die 30 Jahre auf dem Buckel hat, schaut man in ungläubige Gesichter. Wird doch das musikalische Geschehen auf MTV oder ähnlichen Kanälen fast völlig von den Hip Hoppern beherrscht. Vieles hat sich seit den Anfängen auch geändert. Festzuhalten aber bleibt, dass der Hip Hop die Zeiten überdauert hat und lebendiger ist denn je.
Das Näschen dafür, dass das, was da in den 70ern weitgehend unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit in den schwarzen Ghettos der New Yorker Bronx stattfand, mehr sein könnte als nur eine kurze Modeerscheinung in der afroamerikanischen Szene, hatte eine gewisse Sylvia Robinson. Glaubt man verschiedenen Quellen, so hat sie sich bei ihren Kindern die Inspiration geholt. Geholt hat sie sich auch drei Rapper, nämlich Wonder Mike, Big Bank Hank und Master Gee, und mit den Herrschaften die Single "Rapper's Delight" eingespielt. Das alles firmierte unter dem Bandnamen Sugarhill Gang. Woanders hergeholt haben sich die Herrschaften auch den zugrunde liegenden Groove, auch das in bester Hip-Hop-Tradition.
Der Disco-Hit "Good Times" der Gruppe Chic war noch kein halbes Jahr alt, als Sugarhill Gang zugriff, und die charakteristische viertaktige Bassline zusammen mit dem Funkgitarren- und Klavierpattern herausgriff und als Grundlage für "Rapper's Delight" benutzte. Da damals das Samplen, also das digitale Aufnehmen und Bearbeiten solcher Tracks noch nicht möglich war, wurde der Groove neu eingespielt. Auffallend ist jedoch die starke klangliche Nähe zwischen Original und Kopie. Ist im Original von Chic die Rhythmusgitarren- und Klavierschicht ständig präsent, wie es bei Funknummer üblich ist, so wird im Cover diese Schicht nur ab und an dazugeschaltet, um eine Art Refrainwirkung zu erhalten, und dazu dynamisch gegenüber der Bassline in den Hintergrund gedrängt. Dies führte in letzter Konsequenz zur Entstehung von Stilarten wie Drum'n'Bass.
Aber nicht nur in dieser Hinsicht war die Aufnahme wegweisend. Sie brachte den Hip Hop aus der in sich geschlossenen Szene in die Schlagzeilen und ermöglichte so den massiven kommerziellen Erfolg der Hip-Hop-Kultur. Dass dies durch eine Band geschah, die - wie man heute sagen würde - gecastet wurde, also nicht aus den Vorreitern der internen Szenekultur bestand, wurde und wird von vielen als Makel empfunden, der aber um so leichter zu verschmerzen ist, als die Welle schnell auch auf die ursprüngliche afroamerikanische Szene überschwappte. Dies kann man daran sehen, dass die Sugarhill Gang heute sicherlich zu den One-Hit-Wonders gezählt werden darf, und sich mit Afrika Bambaataa, Grandmaster Flash ("The Message", siehe Anfang des Artikels) und Kool DJ Herc bald die eigentlichen Triebkräfte der Hip-Hop-Szene durchsetzten.
Was bleibt ist eine Aufnahme, die es bis heute schafft, gute Laune zu verbreiten, und die andere Künstler, nicht nur aus dem Hip-Hop-Umfeld, inspiriert hat. Man denke da nur an Queen und "Another one bites the dust", die ihr Spiel mit der Bassline und dem rap-artigen Gesang treiben. Auch der hierzulande wohl unvermeidliche Sommerhit mit dem ebenso unvermeidlichen südländischen Flair, der 2002 nicht zu umgehen war - die Rede ist vom "The Ketchup Song" von Las Ketchup - nimmt sich Elemente von "Rapper's Delight"; in diesem Fall die mit dem Gattungsbegriff spielende Rap-Passage der Intro ("I said the hip, hop, the hippie, the hippie to the hip hip hop..."), "übersetzt" sie ins Spanische - allerdings nur phonetisch - und versieht sie mit einer hauptsächlich aus Tonrepetitionen bestehenden Melodie. So wird hier aus einem eigentlichen Nonsens-Text eine noch sinnfreiere Variante erschaffen. Das ist sicherlich auch eine Kunst.


© 2008 by Jochen Scheytt

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