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Morning has broken
Interpret: Cat Stevens
Jahr: 1972
Cat Stevens ist bekannt als ein Vertreter der Singer Songwriter genannten Künstler der späten 60er und frühen 70er. Im Deutschen spricht man bei diesen Musikern von Liedermachern. Sie saßen meist nur mit ihrer Gitarre auf der Bühne und begleiteten sich bei ihren selbstgeschriebenen Songs selbst.
Auch Cat Stevens schrieb Musik und Texte fast aller seiner Songs selbst. Eine Ausnahme bildet da sein wahrscheinlich bekanntestes Lied "Morning has broken". Dessen Geschichte führt uns in den gälischen Sprachraum.
Laut Cecilia Curren (1) ist die Melodie ein schottisches Volkslied, das oft in Hymnensammlungen zu finden ist. Ursprünglich hatte die Melodie den Titel "Bunessan", der Name einer Ortschaft auf der schottischen Insel Mull. Der überlieferte gälische Text stammte von Mary MacDonald, "Leanababh an aigh", ins Englische übersetzt "Child in the Manger" (Kind in der Krippe). Mit diesem englischen Text erschien die Melodie 1888 in der Sammlung "Songs and Hymns of the Gael".
1931 schrieb nun Eleanor Farjeon, eine britische Kinderbuchautorin, Lyrikerin und Dramatikerin, für eine neue Sammlung von Hymnen den neuen Text, der uns aus der Fassung Cat Stevens' bekannt ist. Stevens verwendete allerdings nicht den vollständigen Text der Autorin, sondern nur die ersten drei Strophen. Den vollständigen Text zu "Morning has broken" finden Sie hier.
Hört man das Lied, fallen die Klavierzwischenspiele auf, die dem Lied seinen ganz besonderen Reiz verleihen. Auch sie gehen nicht direkt auf Cat Stevens zurück. Sie wurden während der Aufnahmesessions von dem Keyboarder Rick Wakeman eigentlich für eine seiner eigenen Instrumentalkompositionen, "Catherine Howard" vom Album "The Seven Wives of Henry VIII.", komponiert. Er stellte sie für "Morning has broken" zur Verfügung, benutzte sie aber anschließend auch noch in abgewandelter Form für "Catherine Howard". Mit ihrer starken Figurierung bilden sie einen schönen Kontrast zu der ruhigen, auf langen Notenwerten basierenden Melodie von "Morning has broken".
Interessant ist dabei, dass es insgesamt drei verschiedene Versionen gibt, die sich dadurch unterscheiden, ob und wohin sie modulieren, also die Tonart wechseln. Das Intro beginnt in D-Dur und moduliert nach C-Dur. Das erste Zwischenspiel bleibt in C-Dur, wohingegen das zweite Zwischenspiel von C-Dur nach D-Dur moduliert. Das dritte Zwischenspiel entspricht dem Intro, und das Outro ist identisch mit dem zweiten Zwischenspiel. Somit ergibt sich folgende Abfolge:
Intro: D-Dur --> C-Dur
1. Strophe: C-Dur
1. Zwischenspiel: C-Dur
2. Strophe: C-Dur
2. Zwischenspiel: C-Dur --> D-Dur
3. Strophe: D-Dur
3. Zwischenspiel (=Intro): D-Dur --> C-Dur
4. Strophe: C-Dur
Outro (=2. Zwischenspiel): C-Dur --> D-Dur
"Morning has broken" beginnt und endet somit in D-Dur, obwohl drei der Strophen und somit der größte Teil des Lieds in C-Dur stehen.
Ein Detail am Rande: Rick Wakeman wurde für seinen mehr als marginalen Beitrag zu "Morning has broken" nie angemessen entlohnt. Ein Studiohonorar von damals 9 Pfund und 10 Schilling (ca. 20 Euro) ging anscheinend auf dem Postweg verloren. Vergegenwärtigt man sich die Summen, die Cat Stevens mit diesem Titel verdient hat (es sollen Millionen sein), ist es mehr als verständlich, dass Wakeman auf Stevens seit damals nicht gut zu sprechen ist.

(1) Curren, Cecilia. This Day God Gives Me: A Folk Tune for Morning Prayer (pdf)


© 2004 by Jochen Scheytt

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