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Good Vibrations
Interpret: The Beach Boys
Jahr: 1966
Im Deutschen Museum
In der Instrumentenabteilung des Deutschen Museums in München können Sie auf einem Theremin spielen. Das ist kinderleicht. Man muss das Instrument dazu nicht einmal berühren. In die Nähe dieser Antenne zu kommen, reicht, und Sie hören einen jaulenden Klang, der stufenlos die Tonhöhe verändert. Das heißt, das passiert nicht, wenn Sie Ihre Hand ganz ruhig halten und den Abstand zur Antenne nicht verringern oder vergrößern. Ab einem gewissen Abstand zur Antenne bleibt das Theremin still.
Das Theremin
Um 1920, als das Theremin vom russischen Physiker und Erfinder Lev Termen (auch Leon Theremin) erfunden wurde, war dies natürlich eine Sensation. Ein Instrument, das Töne von sich gab, ohne dass es berührt wurde, das grenzte an Magie. Schnell wurde das Theremin bekannt, setzte sich aber in der Musikszene nie richtig durch. So leicht man Töne mit dem Instrument erzeugen konnte, so schwer war es aber dann doch, damit sinnvolle Musik erklingen zu lassen. So etablierte sich das Instrument dann doch nur als Erzeuger von speziellen Effekten in der aufkommenden Filmindustrie, vor allem bei Thrillern (Alfred Hitchcocks "Spellbound", 1945) oder verschiedenen Science-Fiction-Filmen.
Dabei gilt das Theremin als das erste elektronische Musikinstrument überhaupt. Die beiden Antennen, die aus dem Gerät ragen, werden von einem schwachen elektrischen Feld umgeben. Der Abstand der Hand zur einen regelt die Tonhöhe, der Abstand zur anderen die Lautstärke. Auf dem Bild, das Termen beim Spiel des Theremin zeigt, kann man die beiden Antennen gut erkennen: die hoch stehende für die Gestaltung der Tonhöhe, und die gebogene, seitlich aus dem Kasten herausragende für die Lautstärke.
Der Klang des Theremin
Der typische Klang eines Theremins ist schwer zu beschreiben, er changiert zwischen dem Klang einer menschlichen Frauenstimme in der Höhe und dem Klang eines Cellos in der Tiefe. Wenn Sie diesen beiden Links folgen, können Sie ein Theremin hören: Sergej Rachmaninow: Vocalise und Camille Saint-Saens: Der Schwan, beide Aufnahmen eingespielt von Clara Rockmore, einer der wenigen Künstlern, die das Theremin beherrscht haben.
Good Vibrations
Wenn man sich den Song "Good Vibrations" der Beach Boys anhört, kann man im Refrain ein sehr hohes Instrument hören, das die für ein Theremin typischen gleitenden Übergänge zwischen den Tönen und eine dem Theremin ähnliche Klangfarbe besitzt. Man kann immer wieder lesen, dass dies ein Theremin gewesen sei, das von den Beach Boys im Studio eingesetzt wurde, um diesen Effekt zu erzielen. Dies ist nur zum Teil richtig.
Paul Tanners Electro-Theremin
Das Instrument, das man auf der Aufnahme von "Good Vibrations" hören kann, ist ein sogenanntes Electro-Theremin, das in den 50er Jahren vom Amerikaner Paul Tanner auf der Grundlage des Theremins entwickelt wurde. Es ist bei Experten bis heute allerdings umstritten, ob es als richtiges Theremin gelten kann. Denn das Charakteristikum des Thereminspiels, das Instrument nicht zu berühren, wird beim Electro-Theremin außer Kraft gesetzt. Man spielt es mit Hilfe eines Widerstandsbands, auf dem der Finger auf und ab gleitet und so die Tonhöhe reguliert.
Paul Tanner selbst hat sein Instrument bei den Aufnahmesessions für "Good Vibrations" gespielt. Und es einige Zeit später an ein Krankenhaus verkauft, wo es zu Tests der Hörfähigkeit von Patienten eingesetzt werden sollte. Seiner Aussage nach sah er durch die Entwicklung des Synthesizers keine Zukunft für sein Instrument.
Weitere Informationen
Über "Good Vibrations" lassen sich noch viele interessante Dinge sagen, was zum großen Teil aber schon von anderen getan worden ist. Bei Wikipedia findet sich ein guter Artikel über den Song. Und wer möchte, kann auch die doch immer recht willkürlich aneinander gereihten Informationen bei songfacts.com lesen, auf Englisch.
Zum Theremin und dem Electro-Theremin gibt es eine Menge von Links. Die wichtigsten: ein Zeit-Artikel zum Theremin auf Deutsch, eine ausführliche Seite über Paul Tanner und sein Electro-Theremin mit Interview, Bildern und Soundfiles (englisch). Ansonsten wird man bei Eingabe des Suchbegriffs "Theremin" in irgendeine Suchmaschine schnell fündig.


© 2005 by Jochen Scheytt

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