| |
Kurz gefasst: |
 |
Klassik in Popsongs
|
| |
Klassische Stücke als Grundlage für Popsongs |
 |
Literatur in Popsongs
|
| |
Popsongs mit literarischen Anspielungen oder Inhalten. |
 |
Gastmusiker |
| |
Wer singt oder spielt im Hintergrund? |
|
| |
Kennen oder vermissen Sie einen bekannten Song auf diesen Seiten, der ähnlich wie die anderen eine interessante Geschichte besitzt und
über den es sich zu schreiben lohnen würde? Mailen Sie mir! |
|
  |
| Forget you |
Original als "F**k You": Ceelo Green Jahr: 2010 |
Radio Edit als "Forget You": Ceelo Green Jahr: 2010 |
 |
| Jeder, der die brilliante englische Komödie "Four Weddings And A Funeral", zu deutsch "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" je gesehen hat,
der wird sich an den Anfang des Films erinnern, als Charles, gespielt von Hugh Grant, und seine Freundin komplett verschlafen. Sie werden aber dringend
bei einer Hochzeitsfeier erwartet. In den folgenden Filmsequenzen - beim verzweifelten Versuch den Rückstand wieder aufzuholen - reduziert sich der
Dialog auf ein Wort, das berühmte f-word, mit dem alles, was aufgrund der Hektik wieder schiefgeht, kommentiert wird. Gekrönt
wird das ganze im Film dann von der durchaus als Steigerungsform interpretierbaren Variante "fuckety-fuck".
|
| Diese Szenen mussten im Übrigen für den amerikanischen Markt komplett neu gedreht werden (1), um eine entsprechende Freigabe
des Films zu erhalten. Eine Neusynchronisation wurde verworfen, weil man das "fuck" immer noch auf den Lippen ablesen hätte können. Man
ersetzte das f-Wort durch harmlosere Ausdrücke wie "blimey" oder "crumbs". Dass in den USA schlimme Ausdrücke wie die "seven dirty words" (2),
zu denen auch unser f**k gehört, nicht in die falschen Ohren gelangen, dafür sorgt
eine spezielle Behörde, die Federal Communications Commission (FCC). Sie wacht über die Sendeanstalten und verhängt bei Nichtbeachtung
saftige Geldstrafen, die wegen ihrer Höhe für kleinere Sendeanstalten durchaus existenzbedrohend sein können. Die Sender geben diesem Druck
nach, manche zensieren sogar aus eigenen Stücken oder nehmen Titel aus dem Programm, aus der puren Angst, verklagt zu werden und zahlen zu
müssen.(3) |
| Insofern war das Auftauchen von Cee Lo Greens Musikvideo "F**k You", das am 19. August 2010 im Internet auf youtube veröffentlicht
wurde, eine spannende Sache. Das Flash-Video wurde innerhalb einer Woche mehr als drei Millionen mal abgerufen.(4) Wobei es doch fraglich ist, ob dies
nur wegen der vermeintlich Provokation durch den vulgären Ausdruck so war. Sicher, eine gezielte Provokation war schon immer ein Garant für
Aufmerksamkeit, allerdings muss dann das Produkt auch halten, was die Provokation versprach. Und das ist in diesem Fall so. Der Song ist definitiv gut
gemacht - ein funkiger Groove mit aktuellen Sounds, ein Schuss Motown und Greens über allem schwebende, charakteristische Stimme - und besitzt definitv
Hitqualitäten. Und, nicht zu vergessen, es gibt einen weiteren Grund: das Video.
|
| Laut einem Artikel der gewöhnlich gut informierten New York Times (5) war dieses Video aber nur ein kurzfristig zurechtgezimmerter Platzhalter,
der sozusagen über Nacht entstanden ist. Der verantwortliche Grafikdesigner, Terry Scruby, sagt: "I designed and animated the entire song in only one
night, and actually had to drop additional ideas I wanted to incorporate [...]." Wahrscheinlich ist es gerade die vermeintliche Einfachheit der Schrift
vor den einfarbigen, wechselnden Hintergrundflächen, die für den besonderen Reiz des Videos sorgt. Vielleicht auch, dass gerade bei einem Song,
der mit der sprachlichen Provokation spielt, dies in übergroßen Lettern auch noch vom Bildschirm springt.
|
| Man nennt die Machart des Videos auch "motion typography" oder "kinetic typography". Dazu werden die Worte im Rhythmus der Sprache oder der
Musik animiert. Dies geschieht meist in plakativen Großbuchstaben unterschiedlicher Größe und vor farbigem Hintergrund, auf die die
virtuelle Kamera zu- oder wegzoomt, sich buchstäblich in die Worte hineinbeamt, die Buchstaben abfährt, sie dreht und viele andere Effekte
beinhaltet. Das Video zu "F**k You" ist in dieser Hinsicht - wie Terry Scruby ja selbst erwähnt - wahrlich nicht besonders ausgecheckt, beeindruckt
aber trotz alledem durch die Koordination von Rhythmus und visueller Gestaltung, durch die Refraineffekte und durch einige witzige Details wie die lang
gezogenen oooohs.(6)
|
| Nach dem Interneterfolg war es nun durchaus spannend, ob Ceelo Green von "F**k you" einen Radio Edit für die offiziellen Medien
veröffentlichen würde, und wenn, wie dieser gestaltet sein würde. Das Ergebnis dürfte bekannt sein, da dieser Radio Edit auch im
deutschen Radio inzwischen verstärkt gespielt wird. Die Lösung ist eigentlich genial einfach. Man ersetze das eine f-Wort durch das
nächste - aus "fuck you" wird "forget you". Eigentlich eine Form dessen, was der Engländer als "minced oath" bezeichnet - einen abgeschwächten
Fluch (ein typisches Beispiel wäre "what the heck" statt "what the hell").
|
| Wo man schon mal dabei war, bzw. auch wegen der FCC, sind der Zensur gleich auch noch die beiden anderen Slangausdrücke zum Opfer gefallen. "Ain't that some shit"
wird beim Radio-Edit zu "Ain't that some ssh", wobei man hier regelrecht das Augenzwinkern der Musiker und Produzenten fühlt, steht das "ssh" im Englischen
doch für unser deutsches "psst". Aber auch der nigga hat die Säuberungsaktion nicht überlebt und wurde einfach weggeblendet: "I thought you
should know, (nigga)" Das war von den drei Aktionen sicher die unkreativste Lösung, da der "gold digger", der sich auf den nigga eigentlich reimen
sollte, jetzt einfach reimlos im Raume steht.
|
| "F**k You" ist auch ein Lehrstück über die Möglichkeiten des Internet. Die üblichen Vermarktungsmechanismen sind
hier völlig außer Kraft gesetzt, der Titel verbreitet sich über die kostenlose youtube-Plattform quasi von selbst und erreicht nur durch
Mund-zu-Mund-Propaganda enorme Zugriffszahlen. Dazu muss das Gesamtpaket natürlich stimmen, was im Falle von Cee Lo Green passt. Außen
vor sind bei diesem Modell die Plattenfirmen, die bisher die klassische Vermarktung übernommen und dabei gute Gewinne abgeschöpft haben. Allerdings
ist Warner beim Radio Edit und beim Album "Lady Killer" immer noch vertreten und profitiert somit durch die kostenlose Promotion auch von der youtube-Version.
Trotzdem sollte das ein weiteres Warnsignal für die großen Konzerne sein: nicht die Konzerne bestimmen, was der Hörer will, sondern der
Hörer selbst.
|
|
(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Seven_Dirty_Words
(2) ebda.
(3) siehe: http://www.jochenscheytt.de/popsongs/moneyfornothing.html
(4) http://edition.cnn.com/2010/TECH/web/08/30/cee.lo.song.video/
index.html
(5) http://www.nytimes.com/2010/08/30/business/media/30link.html
(6) Weitere gelungene motion typography videos finden sich unter http://www.marcofolio.net/video/15_stunning_motion_typography_ videos.html. |
 |
|
Hier geht's zu den anderen Bereichen meiner Homepage:
zu
den Debussy-Seiten |
zu
den Al-Jarreau-Seiten | zur
Minstrel Show zu: Liverpool - auf den Spuren der Beatles
Home
|
|
 |
Archiv |
| |
Alle 65 Songs nach Songtiteln geordnet |
 |
Suche |
| |
|
 |
Der Autor |
| |
Wissenswertes über den, der das Ganze geschrieben hat.
|
 |
Empfehlung |
| |
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, empfehlen Sie sie doch weiter, und zwar hier:
Tell-A-Friend |
 |
Gästebuch |
| |
Tragen Sie sich doch in das
Gästebuch ein. |
 |
Kontakt |
| |
Fragen, Lob, Kritik, Rückmeldungen aller Art können Sie auch direkt loswerden - eine kurze
mail genügt. |
 |
Impressum |
|
 |
Letztes Update |
| |
am 13.11.2011 |
 |
Statistik |
| |
Sie sind Besucher
seit 21.11.2002.
|
|