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The night they drove Old Dixie down
Original: The Band
Jahr: 1970
Cover unter anderem: Joan Baez
Jahr: 1973
The Band
The Band waren schon eine etwas seltsame Erscheinung. Vor der Kulisse der Appalachian Mountains, mit ihren langen Bärten, den altmodischen Klamotten und Hüten, sahen sie aus, "als seien sie einem verblichenen Foto aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs entsprungen."(1) Nicht nur ihr Aussehen erinnerte daran, auch "ihre Lieder waren überwiegend sehnsüchtige Erinnerungen an die Zeit Abraham Lincolns, als noch Raddampfer auf dem Mississippi schaukelten, und Vaudeville-Truppen mit Heiligen und Sündern, Verlierern und Gewinnern durch die Südstaaten zogen."(2)
Diese Rückwärtsgewandtheit setzten sie auch in ihrer Musik um, spielten ohne modische elektronische Gimmicks, und benutzten traditionelle, akustische Instrumente. Sie versuchten, einen bewussten Gegenpol zu der Musik der Hippies zu setzen und in ihren Songs in Amerika verwurzelte Geschichten zu erzählen.
In die amerikanische Vergangenheit und zu den Ereignissen des Amerikanischen Bürgerkriegs führt auch der wohl bekannteste Song von The Band, "The night they drove Old Dixie down". Um die Referenzen des Liedtextes zu verstehen, sind einige Geschichtskenntnisse notwendig. Also, hier zuerst eine Art Crashkurs in Sachen "Civil War".
Der Amerikanische Bürgerkrieg
Zwischen 1861 und 1865 bekämpften sich in den USA die Nordstaaten und die Südstaaten in einem erbittert geführten Bürgerkrieg. Auslöser war die Sklavenfrage. Der Norden unter dem Präsidenten Abraham Lincoln befürwortete die Abschaffung der bis dahin hauptsächlich im Süden praktizierten Haltung von Schwarzen als Arbeitssklaven. Die Südstaaten, die wirtschaftlich davon abhängig waren, dass die Sklaven auf den großen Plantagen schufteten, waren gegen die Abschaffung. Im daraus folgenden Bürgerkrieg gewann schließlich der industrielle Norden die Oberhand gegen die an Material unterlegenen, aber dafür umso leidenschaftlicher kämpfenden Südstaaten, die sogenannte Konföderation (Confederacy).
Der Songtext
"Dixie" oder "Dixieland" ist eine volkstümliche Bezeichnung für die amerikanischen Südstaaten, deren Ursprung zweifelhaft ist. Möglicherweise wurde "Dixie" von der Mason-Dixon-Line abegleitet, einer offiziellen Grenzziehung zwischen den Staaten Pennsylvania und Delaware im Norden und West Virginia und Maryland im Süden, die symbolisch zur Grenze zwischen Nord- und Südstaaten wurde. Eine andere Theorie führt den Namen auf die im Süden gebräuchlichen, auf der Rückseite mit französisch "dix" bezeichneten Zehn-Dollar-Banknoten zurück.
Der Song wird aus der Perspektive des Ich-Erzählers Virgil Caine geschildert, der die Ereignisse des amerikanischen Bürgerkriegs aus der Sicht eines nicht in die Kämpfe verwickelten Bewohners des Süden beobachtet und den Verlust des "alten Südens" mit Wehmut und Bitterkeit erlebt. Er verliert seinen Job bei der Eisenbahn, da die Schienen zerstört werden, verliert seinen Bruder, der durch einen Yankee, einen Angehörigen der Nordstaaten, getötet wird, und sieht den Fall der Stadt Richmond, Virginia, 1865, die das Ende des Kriegs besiegelt, und von den kapitulierenden Truppen niedergebrannt wird.
Die im Text erwähnten Personen sind Robert E. Lee, ein gefeierter General der Südstaatenarmee, George Stoneman ein General der Gegenseite, der Armee der Nordstaaten. Der Danville Train bezieht sich auf die von der Stadt Richmond zur südöstlich davon gelegenen Stadt Danville verlaufenden Bahnlinie.
Andere Versionen
Sehr bekannt wurde der Titel durch die 1971 veröffentlichte Coverversion der amerikanischen Folklegende Joan Baez. Dem Erfolg dieser Version tat keinen Abbruch, dass der Liedtext eigentlich aus der Perspektive eines Mannes erzählt wird.
Schon 1972 gelang Juliane Werding mit einer deutschen Coverversion von "The night they drove Old Dixie down" der Durchbruch. Der deutsche Liedtext mit dem Titel "Am Tag als Connie Kramer starb" hat mit dem Original nichts mehr zu tun. Es ist vielmehr ein Anti-Drogen-Song, der aus heutiger Sicht allzu pathetisch und weinerlich daherkommt.
Link
Wer viel mehr über den Song erfahren möchte, ist auf der unschlagbar ausführlichen englischen Seite von Peter Viney genau richtig.

(1) Graves, Barry u. Schmidt-Joos, Siegfried. Das neue Rocklexikon, Rowohlt, 1973, S. 65.
(2) ebda.


© 2003 by Jochen Scheytt

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