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Conquest of Paradise
Komponist und Interpret: Vangelis
Jahr: 1992
Der Film
Die Filmkritik ist sich ziemlich einig: Der 1992 von Ridley Scott gedrehte Historienfilm "1492 - Conquest of Paradise", "1492 - die Eroberung des Paradises", der die Geschichte der "Entdeckung" Amerikas durch Kolumbus erzählt, ist trotz teils beeindruckender Bilder den Aufwand nicht wert gewesen. Auch dass er rechtzeitig zur 500-Jahr-Feier Amerikas fertig wurde, hat ihn nicht retten können.
Die Filmmusik
Ebenso Einigkeit herrscht auch bei der Beurteilung der dazugehörenden Filmmusik von Vangelis. Sie ist so gelungen, dass sie auch ohne den Film bestehen kann und benötigt dazu eigentlich keine publikumswirksamen Inszenierungen wie dies 1994 durch das Abspielen des Titelsongs "Conquest of Paradise" durch den Boxer Henry Maske bei einem seiner Weltmeisterschaftskämpfe geschehen ist. Dass dieser Titel seither bei vielen feierlichen Anlässen von Siegerehrungen bis zum Ablegen von Kreuzfahrtschiffen gespielt wird, ist aber sicherlich darauf zurückzuführen. Und in gewisser Weise scheint der Titel durch seinen hymnischen, feierlichen Charakter geradezu dafür prädestiniert.
Vangelis
Vangelis wurde als Evangelos Papathanassiou in Athen geboren und kam nach sieben Jahren in Paris 1974 nach London. Der Experte für elektronische Musik stieg in den 80ern in das Filmgeschäft ein und schrieb die Filmmusik für Filme wie "Blade Runner" oder "Chariots of Fire".
Musikalische Gestaltung
Kolumbus war ja im Auftrag der spanischen Königin Isabella I. unterwegs, und so enthält "Conquest of Paradise" einige musikalische Merkmale, die auf Spanien verweisen, dazu andere, die ganz allgemein archaisierenden Charakter besitzen, also auf die Vergangenheit verweisen. Da ist zunächst der dem Gesangsteil ostinat (gleichbleibend) zugrunde liegende Rhythmus, den man als leicht vereinfachte Variante des Rhythmus bezeichnen könnte, den Maurice Ravel für seinen "Bolero" verwendet hat.
Auch die Harmonien, die Vangelis in diesem Vokalteil verwendet, verweisen direkt nach Spanien, und auch in die spanische Vergangenheit.
Folia
Aus dem 13./14. Jahrhundert sind aus Spanien verschiedene Tanzbässe überliefert. Das ist nichts weiter als eine gleichbleibende Abfolge von Tönen, die sich irgendwann standardisiert hat. Diese Abfolgen wurden von Bassinstrumenten (wie z.B. Kontrabass) gespielt. Dazu improvisierten Melodieinstrumente über diese oft wiederholte Abfolge, und die Menschen tanzten dazu, wahrscheinlich Schreittänze. Einer dieser Tanzbässe wird Folia genannt. Die Basstöne der Folia umfassen 2 mal 8 Takte und sind folgende:
     || d | a | d | c | f | c | d    | a |
      | d | a | d | c | f | c | d a | d ||
Die beiden Achttakter unterscheiden sich also nur am Schluss. Vangelis verwendete nun genau diese Folia als Grundlage für den Gesangsteil von "Conquest of Paradise", allerdings in einer leicht variierten Fassung:
     || d | a | d | c | f | c | b| a |
      | d | a | d | c | f | c | b | a ||
Man sieht, dass er den Basston im 7. und 15. Takt austauscht, und dass bei ihm beide Achttakter identisch sind. Dadurch dass er aber im letzten Takt nicht wie im Original zum Grundton zurückkehrt (d), muss sich bei ihm ein anderer Teil anschließen, der für die notwendige Schlusswirkung sorgt. Das ist der Instrumentalteil.
Liedtext
Auch der vom English Chamber Choir gesungene Liedtext ist bewusst archaisierend. Er klingt wie Latein, ist aber eine völlige Kunstschöpfung, gibt also keinen Sinn. Wahrscheinlich ist die Assoziation zum gregorianischen Choral, der im Mittelalter in den Klöstern von den Mönchen gesungen wurde, geplant. Gewiss soll durch das Pseudo-Latein auch eine gewisse Feierlichkeit ausgedrückt werden. Ein ähnlicher, dem Lateinischen nachempfundener Liedtext ist auf dem 1996 erschienenen Stück "Ameno" von Era zu hören. Textautor ist hier Guy Protheroe, derselbe, der auch bei "Conquest of Paradise" für den Text gesorgt hat.
Lyrics zu "Conquest of Paradise"
In noreni per ipe, in noreni cora,
tira mine per ito, ne domina.
Ne romine tirmeno, ne romine tofa,
imagine promeno, per imentira.


© 2005 by Jochen Scheytt

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