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Sympathy for the devil
Interpret: The Rolling Stones
Jahr: 1968
Altamont, Kalifornien, 6. Dezember 1969. Die Blumenkinder der Hippie-Generation ahnen noch nicht, dass dieser Tag das symbolische Ende der Love and Peace-Ära werden wird. Das Unheil bahnt sich schon Tage vorher an. Die Rolling Stones, die ein kostenloses Open-Air-Konzert als Abschluss ihrer US-Tournee geben wollen, müssen nach gescheiterten Verhandlungen ihren Veranstaltungsort kurzfristig wechseln und auf den Altamont Speedway, eine heruntergekommene Autorennbahn verlegen.
Seit Woodstock ein paar Monate zuvor waren Konzerte dieser Art zu einer Art Happening, zu einer Zelebrierung des Lebengefühls der Hippies geworden, ein friedlicher Massenprotest gegen die Gesellschaft, gegen den Vietnamkrieg und vieles mehr. Waren schon in Woodstock x-mal so viele junge Menschen gekommen wie geplant, so wird auch in Altamont den Veranstaltern zu spät klar, dass sie die Massen nicht kanalisieren können. Außerdem kann aufgrund der Kürze der Zeit nur eine niedrige Bühne errichtet werden, die vom Publikum leicht erklommen werden kann. Hastig werden Ordner verpflichtet, die wenigstens die Musiker auf der Bühne schützen sollen. Man entscheidet sich fatalerweise für die Hell's Angels.
Ausgerechnet eine Rockertruppe, die einen ausgesprochen schlechten Ruf besitzt soll - angeblich für Bier im Wert von $500 - für Ordnung sorgen. Dass das nicht gut gehen kann, kann man sich denken. Was aber dann wirklich passiert übersteigt die Vorstellungkraft. Die Angels prügeln im Lauf des Konzerts auf die Konzertbesucher ein und werden immer gewalttätiger. Als die Stones schließlich den Song "Sympathy for the devil" spielen (siehe Nachtrag (1) unten), erstechen die Hell's Angels direkt vor der Bühne den schwarzen Konzertbesucher Meredith Hunter. Die Show geht trotzdem weiter.
Mit den Gewaltausbrüchen in Altamont stirbt nicht nur Meredith Hunter, sondern der Glaube der Hippie-Generation an eine gewaltfreie, gute Welt. Es stirbt symbolisch das Lebensgefühl der 60er Jahre.
Ist es nun Zufall, dass dieser Mord ausgerechnet bei "Sympathy for the devil" geschieht? Schon damals werden die Stones in Zusammenhang mit dem aus den USA kommenden Satanismus und der dazugehörigen Organisation, der "Church of Satan", gebracht. Albumtitel wie die 1967 erschienene LP "Her Satanic Majesties Request" oder eben Songs wie "Sympathy for the devil", wo sich Mick Jagger als Sänger in die Rolle Luzifers begibt und in der Ich-Form für Mitgefühl wirbt, unterstützen diese Theorien. Ob die Stones wirklich Anhänger dieser Strömungen waren, ist nicht sicher. Wahrscheinlicher ist, dass sie mit diesen Anspielungen ihr "Bad Boy-Image" pflegen wollten.
Allerdings sieht auch Don McLean die Ereignisse um die Stones und Altamont im Zusammenhang mit satanistischen Strömungen, wie aus den entsprechenden Textzeilen seines Songs American Pie hervorgeht. Diese beziehen sich eindeutig auf Altamont:
    So come on, Jack, be nimble, Jack be quick
    Jack Flash sat on a candlestick,
    Cause fire is the devils only friend.
    Oh, and as I watched him on the stage,
    My hands were clenched in fists of rage.
    No angel born in Hell
    Could break that Satan's spell
    And as flames climbed high into the night
    To light the sacrificial rite
    I saw Satan laughing with delight
    The day the music died.

Mick Jagger ist hier Satan, der Mord durch die Hell's Angels wird als "sacrificial rite", als satanischer Opferritus bezeichnet und Don McLean selbst ist der Beobachter, der die Fäuste vor Wut ballt.
Das Konzert in Altamont wurde im übrigen gefilmt und als Tourneefilm der Stones veröffentlicht. Der Titel des Films ist "Gimme Shelter", und er ist heute noch überall erhältlich.
Nachtrag (1)
Es finden sich immer wieder Quellen, die sehr viel Wert darauf legen, dass der Mord nicht während "Sympathy for the devil" geschah, sondern während eines anderen Songs. Da durch die Recherchen kein eindeutiger Sachverhalt belegt werden konnte, wagt der Autor keine abschließende Einschätzung, neigt gefühlsmäßig aber zu der oben im Text dargestellten Variante.
Nachtrag (2)
Sicher ist, dass Mick Jagger die Idee, den Song aus der Perspektive des Teufels zu singen, vom Roman "Meister und Margarita" von Michail Bulgakow hat (Danke für diesen Hinweis an Thomas Franck). Näheres dazu hier.


© 2003 by Jochen Scheytt

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