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Money
Interpret: Pink Floyd
Jahr: 1973
Dies ist ein Lobgesang auf die alten Zeiten. Die Zeiten, in denen die Bands es sich noch leisten konnten, abseits vom Mainstream Konzeptalben aufzunehmen (in diesem Fall das Album "Dark Side Of The Moon"). Zeiten, in denen die Musik nicht irgend ein Instantprodukt war, sondern auch nach 30 Jahren noch modern klingt. Zeiten, in denen vieles noch anders funktionierte als heute. Zeiten, in denen Hits in ungeraden Taktarten geschrieben wurden.
Ja, ungerade Taktarten. Was ist das? Zum Beispiel ein 5/4-Takt oder 7/4-Takt, d.h. dass in jedem Takt nicht die "übliche" Anzahl von 2, 3, oder 4 Viertelnoten enthalten sind, sondern eben 5 oder 7. Ungerade Taktarten sind somit auch gleichzeitig zusammengesetzte Taktarten. Ein 7/4-Takt zum Beispiel kann aus einem 4/4-Takt und einem 3/4-Takt zusammengesetzt sein (4+3). Oder umgekehrt: 3+4. Streng genommen könnte man auch den 4/4-Takt in zwei 2/4-Takte unterteilen, woraus sich drei verschiedene 7/4-Takte kombinieren ließen: 2+2+3, 2+3+2, 3+2+2.
Hören Sie sich "Money" von Pink Floyd noch einmal an. Das Stück steht im 7/4-Takt. Welche Zusammensetzung hören Sie? Auflösung unten.
Das Stück beginnt ja bekanntlich mit den berühmten "Cash Register Loop". Also mit den immer wiederholten Geräuschen der alten Registrierkasse. Wenn Sie jetzt genau hinhören, dann bemerken Sie, dass auch diese Geräusche im 7/4-Takt stehen. Wir haben auf jedem der 7 Taktschläge ein anderes Geräusch. Der Versuch einer Analyse (falls jemand die Geräusche anders identifiziert, darf er/sie das gern zur Diskussion stellen: per mail an mich):
Schlag 1: Fallen eines Sacks voller Münzen (leiser)
Schlag 2: Rattern der Kasse
Schlag 3: Geldklimpern
Schlag 4: Fallen eines Sacks voller Münzen (lauter)
Schlag 5: Klingeln der Kasse
Schlag 6: Schaufelndes Geräusch, wie wenn man mit einer Schaufel durch Münzgeld fährt
Schlag 7: Schließendes Geräusch der Kasse
Beginnen tut "Money" mit dem Klingeln der Registrierkasse und dem Rieseln von Münzgeld, hier noch ohne Beat. Das nächste Geräusch, das wir hören, ist das schaufelnde Geräusch von Schlag 6. Der Loop beginnt also auftaktig und läuft dann zwei Takte lang.
Nachdem nacheinander Gitarre, Schlagzeug, Bass und Keyboards eingesetzt haben, wird der Loop langsam ausgeblendet, um allerdings zwischendurch immer wieder zu erscheinen. Was heute mit Sampling und digitaler Computertechnik wahrscheinlich in ein paar Minuten erledigt wäre, war 1973 eine größere Aktion, die viele Hand- und Schneidearbeit mit Tonbändern erforderte.
Nach dem Saxofonsolo, das auch im 7/4-Takt steht, läuft das Gitarrensolo von David Gilmour allerdings im "normalen" 4/4-Takt ab. Ohne David Gilmour zu nahe treten zu wollen: jeder, der schon einmal versucht hat, über einen 7/4-Takt zu improvisieren, weiß, dass das nicht ganz so einfach ist. Vielleicht wollten Pink Floyd durch den Taktwechsel auch nur einen Kontrast schaffen und dem Song in der Mitte mehr Drive geben. Auch im Song selbst finden sich Taktwechsel. Nach dem Einsatz der Singstimme am Anfang des Songs finden sich acht 7/4-Takte, gefolgt von zwei 4/4-Takten, einem 6/4-Takt und wieder zwei 7/4-Takten, bevor diese Abfolge wiederholt wird.
Ach ja, und die Aufteilung ist meiner Meinung nach 4+3 oder 2+2+3, was vor allem an der Schlagzeugbegleitung deutlich wird. Denn die spielt bei einem typischen Rockgroove auf die 1 und 3 eines Taktes immer mit der Bassdrum und auf die 2 und 4 mit der Snaredrum. Dies ist hier der Fall:
4/4:
Schlag 1: Bassdrum
Schlag 2: Snaredrum
Schlag 3: Bassdrum
Schlag 4: Snaredrum
3/4:
Schlag 5: Bassdrum
Schlag 6: Snaredrum
Schlag 7: frei


© 2005 by Jochen Scheytt

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