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| Die Musik
"Das wohl eindruckvollste Erbe der Minstrel Show ist wohl das noch heute verbreitete Liedmaterial,
das im Umkreis der Minstrel Show entstand."(7) Im Gegensatz zu den Witzen, Reden und Theaterstücken
ist die Musik der Minstrel Shows heute immer noch lebendig. Die Popularität vieler Minstrel Songs
lässt auf die tragende Rolle der Musik in den Minstrel Shows schließen.
Das Wort minstrel selbst kommt ursprünglich aus der Musik. Im Mittelalter bezeichnete
es die fahrenden Musikanten, die weltliche Lieder für die unteren Bevölkerungsschichten
sangen. Minstrel ist ein Begriff "...zur Bezeichnung der sozial wenig geltenden Fahrenden. [...]
Als "spilläute", "jongleurs", "Minstrels", "skomrah", "igrici", "lekare" und "ménéstriers" u.a.
werden sie in den Quellen angeführt.(8) Das Wort minstrel kann auf das französische
Wort ménestrel, was soviel wie Diener, Spielmann bedeutet,
wie auch auf das lateinische Wort minister, Diener, zurückgeführt werden.
Die ersten Akteure, die mit dem sogenannten "blackface" auf den amerikanischen Bühnen
auftraten, hießen also Minstrels weil sie sangen. Im Gesang liegt also der Ursprung der
Minstrel Shows. Davon abgesehen wurden zwei der Hauptfiguren der Minstrel Show, Tambo und Bones, nach
den Musikinstrumenten benannt, die sie spielten: das Tambourin und die "Bones" (Knochen),
hölzerne Stäbe, die aneinander geschlagen wurden und mit Claves vergleichbar sind.
Durch die wachsende Popularität der Minstrel Shows wurden viele der dort gesungenen Lieder
als gedruckte Noten veröffentlicht um den Zuhörern die Gelegenheit zu geben, diese
zu Hause nachzuspielen und zu singen. Heute fällt bei diesen Ausgaben der damaligen Zeit vor
allem die Titelseite auf. Fast alle werden plantation melodies, Ethiopian refrain, Ethiopian song
and chorus oder Ethiopian melody genannt. Diese Bezeichnungen sollen ausdrücken, dass es sich
bei diesen Stücken um Musik afrikanischer Herkunft handelt, die von den Schwarzen auf den Plantagen im Süden
auf dieselbe Weise auch gesungen wurden. Handelt es sich bei diesen Minstrel Songs nun aber um
schwarze Musik?
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Titelblatt einer Druckausgabe eines Minstrel Songs, bei dem durch den Hinweis auf Äthiopien
der Reiz des Exotischen vermittelt wird. Dies ist in doppelter Hinsicht falsch: die Sklaven kamen
nicht aus Äthiopien, sondern aus Westafrika, von wo die Sklavenschiffe ausliefen, und die
Musik dieser Songs ist durch und durch europäisch.
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Beim Versuch das herauszufinden, können wir uns nur auf diese Originalausgaben stützen,
da die Minstrel Show verschwunden war und die großen Minstrels tot waren, als Aufnahmen von
Musik möglich wurden. Analysiert man die Songs der Minstrels nach den musikalischen Parametern
wie Harmonik, Rhythmik, Melodie und Form, so wird schnell klar, dass diese Parameter identisch mit denen der
europäischen Musiktradition sind. Schwarze Musik unterscheidet sich hiervon in drei wichtigen
Punkten.
Dem gleichmäßigen Marschrhythmus der Minstrel Songs steht eine kompliziertere, synkopierte Rhythmik
der afrikanischen Musik entgegen.
In der afrikanischen Musik werden andere Tonleitern oder Skalen benutzt, die nicht mit der europäischen
identisch sind. Beim Versuch, diese Skalen mit dem europäischen Tonsystem zu kombinieren, entstanden die Blue
Notes.
Die in den Minstrel Songs verwendete Vers-Refrain-Form ist den originalen schwarzen Musikformen unbekannt. Sie
benutzen das call-and-response-Schema, bei dem eine musikalische Phrase eines Vorsängers von anderen Musikern
wiederholt wird.
Die meisten der Minstrels der frühen Jahre kamen von den Britischen Inseln und aus Irland. So ist
es nicht verwunderlich, dass viele Elemente schottischer und irischer Volksmusik in den Minstrel Songs zu
finden sind. In seinem Buch "Dan Emmett and the rise of early Negroe Minstrelsy" vergleicht Hans Nathan
den Minstrel Song "Dixie's Land" mit schottischen Volksliedern und kommt zu dem Schluss, dass einige Passagen
aus "Dixie's Land" Varianten schottischer Volksmelodien sind.(9) Schwarze Einflüsse können sicherlich
auch gefunden werden, hauptsächlich aber in den Instrumenten, die die Minstrels benutzten, um sich zu
begleiten: das Banjo, das Tambourin und die "Bones". "But this influence had to be as superficial as the rest
of the white performers' knowledge of slave culture."(10)
Nun stellt sich die Frage, warum die Minstrels, die Schwarze auf der Bühne darstellten, keine schwarze
Musik spielten. Der erste Grund ist, dass die Minstrel Show ein Unterhaltungsprogramm für eine weiße
Zielgruppe im Norden der USA war. Die Minstrel Show war eine Form populären Theaters, hatte erfolgreich
zu sein und musste sich daher an den Geschmack des Publikums anpassen. Was das weiße Publikum wollte war
Musik, die sie leicht vestehen konnten, Musik bei der sie sich wohlfühlen konnten, Musik zu der sie mitsingen
konnten. All die Leute im Publikum waren europäischen Ursprungs und so war die Musik, die die Minstrels
spielten, auch europäischer Natur. Um allerdings einen Anflug von Exotischem zu erreichen, würzten die
Minstrels ihre Songs mit einigen schwarzen oder pseudo-schwarzen Elementen.
Der zweite Punkt ist, dass authentische schwarze Musik zu diesem Zeitpunkt nicht einfach verfügbar war.
Die Weißen interessierten sich gar nicht für die Musik der Schwarzen. Oftmals war es den Schwarzen
sogar verboten, ihre Musik zu spielen, da die Weißen im Süden fürchteten, dass sie damit
geheime Nachrichten übermitteln könnten. Im Norden lebten damals noch recht wenige Schwarze. Das heißt,
dass die Minstrels, um authentische schwarze Musik zu erhalten, in den Süden auf die Plantagen hätten
gehen müssen um den dortigen Schwarzen zuzuhören. (George Gershwin machte dies in den 30er
Jahren dieses Jahrhunderts, um Material für seine Oper "Porgy and Bess" zu bekommen.) Einige Minstrels behaupteten,
Schwarzen zugehört zu haben (11). Es ist möglich, dass sie einige Elemente in ihre Songs
eingebaut haben. Dennoch ist es unbestritten, dass die Tanzstile der Minstrels viel mehr von schwarzen
Einflüssen geprägt sind als die Musik. Davon abgesehen ist es fraglich, ob die Minstrels
überhaupt in der Lage gewesen wären, schwarze Musik authentisch zu reproduzieren.
Aber es gibt noch einen anderen Grund, der auf den sozialen Kontext zuführt. Die Minstrels
hatten gar nicht vor, ein reales oder authentisches Bild des Schwarzen oder seiner Musik zu vermitteln.
Man versuchte, die Schwarzen eher zu romantisieren, was man an den Liedtexten vieler Minstrel Songs
sehen kann.
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(7) Ostendorf, Berndt. "Vorformen und Nachbarfomen des amerikanischen Theaters:
Minstrel Show, Vaudeville, Burlesque, Musical, 1800-1932. " In: Das
amerikanische Drama. Ed. Gerhard Hoffmann. Bern: Francke, 1984, S. 24.
(8) Blume, Friedrich (Hg.). Die Musik in Geschichte und Gegenwart.
Kassel und Basel: Bärenreiter-Verlag, 1949, S. 1088.
(9) Nathan, Hans. Dan Emmett and the rise of early Negroe Minstrelsy.
University of Oklahoma Press, 1962, S. 261.
(10) Lumer, Robert. "Good ol’ Slavery and the Minstrel Show." Zeitschrift
für Anglistik und Amerikanistik, 33 (1985), S. 56.
(11) Toll, Robert C., Blacking Up. The Minstrel Show in Nineteenth-Century
America. New York: Oxford University Press, 1974, S. 50. |
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