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| Auswirkungen
Wie bereits festgestellt wurde, konnten ab ca. 1860 auch Schwarze den fahrenden Minstrels
beitreten. Dies war für die Schwarzen sicherlich demütigend, mussten sie doch im Grunde
sich selbst durch den sprichwörtlichen Kakao ziehen. Warum sie es trotzdem taten, zeigt
deutlich der im Anhang abgedruckte Ausschnitt
aus Tom Fletchers Buch One hundred years of the Negro in Show Business(22). In der Teilnahme an
diesen Shows lag eine große Chance für die Schwarzen, sich auf diese Weise finanziell
über Wasser zu halten. Außerdem ergab die
Mitgliedschaft in diesen fahrenden Truppen auch die einmalige Gelegenheit, in das langsam beginnende
Showbusiness hineinzukommen. In dem Moment, in dem die Popularität der Minstrel Show zu schwinden
begann und andere Formen wie das Vaudeville oder Variety Shows deren Nachfolge antraten, waren die
Schwarzen in diesem Business bereits integriert und besaßen über reiche Bühnenerfahrung.
Tatsächlich ist der Karrierestart von vielen schwarzen Jazzmusikern wie zum
Beispiel von Bessie Smith, der berühmtesten Bluessängerin, W.C. Handy, Ma Rainey oder
Jelly Roll Morton im Umfeld der Minstrel Shows zu
finden.
Der Blackface-Act blieb aber auch nach dem Niedergang der Minstrelsy noch populär. Das beste
Beispiel ist Al Jolson, ein Weißer, der in den Zwanzigern ein Star am Broadway war und
mit Blackface-Auftritten enorme Popularität erreichte. Aus den für ihn geschriebenen
Broadwayshows, in denen er als Minstrelcharakter "Gus" die Hauptrolle spielte, sind vor allem die
Titel "Swanee" von George Gershwin und "Mammy" zum Hit geworden.
Die aus dieser Zeit auf Film festgehaltenen
Auftritte Jolsons stellen äußerst interessante Zeitdokumente dar, die einen hervorragenden Einblick
in die Welt der Minstrelsy bieten.
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Al Jolson mit dem typischen Minstrel-Makeup - tiefschwarz geschminktes Gesicht, das die
Augäpfel um so weißer erscheinen lässt, und die dicken,
die schwarze Physiognomie karikaturhaft überzeichnenden Lippen.
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Hier zum Vergleich Al Jolson ungeschminkt.
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| Die Minstrel Show blieb jedoch nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Auch in Europa
waren die Auftritte von Schwarzen oder Weißen mit schwarzgefärbten Gesichtern beliebt.
Typisches Markenzeichen war auch hier das Banjo. Die folgende Illustration zeigt eine Gruppe von Minstrels,
die am Strand eines englischen Seebads die wohlhabenden Badegäste unterhält.
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| Aus England kommt auch die Golliwog-Puppe.
Ein Golliwog ist eine Figur mit schwarz gefärbtem Gesicht und schwarzen, vom Kopf abstehenden
Haaren. Sie wurde von der britischen Illustratorin Florence Upton, die die Anregung während ihrer Kindheit
in den USA aus dem Umfeld der Minstrel Shows erhielt, für eine Serie von Kinderbüchern
erfunden, die zwischen 1895 und 1912 veröffentlicht wurden. Die Texte in Reimform stammten von ihrer
Mutter Bertha Upton. Die Golliwog-Puppe gewann schnell an Popularität, die bis in die 50er Jahre
anhielt. Erst danach wurde man sich des rassistischen Beigeschmacks bewusst und verbannte die Puppe
aus den Kinderzimmern. |
| Auch Claude Debussy, der Meister der impressionistischen Musik, kannte diese Puppe und widmete
ihr das Klavierstück "Golliwog's Cakewalk" aus dem Zyklus "Children's Corner". Der Cake-Walk,
ein Paarschreittanz, dessen Kennzeichen vor allem die übertreibenen Verrenkungen der Tänzer war,
stammt ebenfalls aus der Minstrel Routine. Er fand in Europa Anfang des Jahrhunderts als Modetanz weite
Verbreitung. Musikalisch
basiert er auf Ragtime-Rhythmen, die vor allem im Werk Debussys und anderer französischer Komponisten
dieser Zeit Eingang fanden.
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| (22) Fletcher, Tom. One Hundred Years of the Negro in Show Business.
New York, 1954, S. 9-14.
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