Liverpool - auf den Spuren der Beatles Ein Reisebericht |
| Geschichte |
| Liverpool - von Mitte des letzten Jahrhunderts bis in
die Zwanziger Jahre ein blühender Handelshafen, Hauptumschlagplatz
der Güter, die aus den Ländern des Commonwealth in England ankamen.
Das Royal Livery Building und das Cunard Building am Ufer des Mersey als
Symbol des Wohlstandes. Anfang der Sechziger, nach dem Niedergang in die
wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit, Hauptstadt des Beat, in der immerhin
400 (!) verschiedene Beatbands existierten. Geburtststadt der vielleicht
bedeutendsten Popgruppe aller Zeiten, der Beatles. Wie stellt sich Liverpool
heute dar? Ist der Geist der Beatles noch lebendig? |
 |
| Liverpool - im Hintergrund das Royal Livery Building |
|
| Liverpool heute |
| Ein Besuch soll das klären, mit dem Auto, durch
Liverpools Vorstädte mit den typischen englischen "terraced houses",
also endlose Reihenhausansammlungen, die allesamt schon bessere Tage erlebt
haben. Nachdem die Übernachtungsfrage in einem entsetzlichen Betonklotz
von Hotel mitten in der Innenstadt geklärt ist, ein erster Versuch,
Spuren der Beatles zu finden. Nach was suchen wir eigentlich? Nicht leicht
zu sagen, irgendwelche Originalschauplätze vielleicht. Und gleich
der erste Fehlversuch. Der legendäre "Cavern Club" in der Mathew Street,
in dem die Beatles ihre ersten Auftritte hatten - insgesamt sollten es
über 200 werden - wurde in den Siebzigern zugeschüttet. Ein Nachbau
dieses feuchten und finsteren Kellerlochs (cavern = Höhle) findet
sich zwar im offiziellen Beatles-Museum "The Beatles Story", aber ein richtiger
Ersatz ist das eigentlich nicht. |
| Cavern Club |
| George Martin beschrieb die Atmosphäre dort so:
"Der Cavern Club war wie ein Kerker. Ein verschwitztes kleines Gewölbe
voller Teenager. Die Atmosphäre war elektrisch. Sie sangen all die
Rock'n'Roll-Nummern, die sie von amerikanischen Platten übernommen
hatten. Es war sehr wild und die Zuschauer liebten jede Minute."(1) |
| Die Mathew Street ist immerhin so ziemlich die einzige
Straße in Liverpool an diesem Sonntag abend, die wenigstens einigermaßen
lebendig wirkt. Ein paar Musikkneipen, ein paar nette Pubs, mehr aber auch
nicht. Der Rest der Stadt atmet eine sonderbare Atmosphäre, die die
sozialen Spannungen, unter denen Liverpool leidet, förmlich spüren
lässt. Der unvermeidliche Regen tut wohl sein Übriges dazu. |
| Mersey River |
| Der nächste Morgen, bei strahlendem Sonnenschein.
Runter zum Mersey, dem Fluss, nach dem der Beat manchmal auch Merseybeat
genannt wird. Der Mersey, dem nicht zuletzt durch Gerry and the Pacemakers'
60er-Song "Ferry 'cross the Mersey" ein klingendes Denkmal gesetzt wurde,
ist an diesem Tag nur eine braune Brühe, die lustlos ans Ufer klatscht.
Dafür stehen die beiden Repräsentationsgebäude, das Royal
Livery Building und das Cunard Building in freundlichem Weiß und
die Albert Docks, der touristische Stolz Liverpools, wuchtig und einladend
am Ufer. |
 |
| Royal
Livery Building, Cunard Building und Albert Docks |
|
| Albert Docks |
| Die Albert Docks sind riesige Lagerhallen, in denen die
Massen von Waren, die die Schiffe in Liverpool an Land brachten, gelagert
wurden. Nachdem so um 1920 die immer größer werdenden Schiffe
den flachen Liverpooler Hafen nicht mehr anlaufen konnten und sich der
Handel nach London verlagerte, verfielen diese Hallen. Erst Ende der Achtziger
begann man, das Areal neu zu beleben. So sind in den völlig renovierten
roten Backsteinbauten heute Ladenpassagen, Cafés, Restaurants und
verschiedene Museen untergebracht. Die "Beatles-Story" ist eines davon. |
| Beatles Story |
| Für knapp 20 DM bekommt man dort auch einiges zum
Thema Beatles geboten, vom nachgebauten Cavern-Club, über Brian Epsteins
Plattenladen, bis hin zu originalen Aufnahmegeräten und sonstigen
Requisiten. Informationen gibt es in Hülle und Fülle - des Englischen
sollte man aber schon so ein bißchen mächtig sein. Gut gemacht
ist das ganze allemal, aber haben wir hier den Geist, das Flair der Beatles
gefunden? Leider nein. Das Ganze ist zu steril, zu "clean", und will nicht
recht zu der Arbeiter- und Industriestadt Liverpool passen. |
| Noch eine kurze Bootsfahrt auf dem Mersey, ein paar längere
Blicke hinauf zur Kathedrale, die mächtig und mit riesigen Ausmaßen
über Liverpool thront. Sie ist die größte Kathedrale Englands,
aber beileibe nicht die schönste. Sie wirkt kalt und unnahbar. |
| Ausblick |
Was bleibt? Ein etwas zwiespältiges Gefühl.
Dass die Beatles hier ihre Weltkarriere gestartet haben, merkt man nicht
so sehr. Vielleicht muss man noch mehr im Verborgenen suchen, was in anderthalb
Tagen nicht möglich ist. Liverpool als Stadt ist nicht schön;
trotzdem besitzt sie Ausstrahlung, gräbt sich ins Gedächtnis.
Es muss ja auch nicht immer die Schönheit sein, wie schon Herbert
Grönemeyer so treffend festgestellt hat. In Bochum war ich auch noch
nie....
|
|
|