| Entstehung |
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Die "Danses für chromatische Harfe und Streichorchester" waren eine Auftragskomposition des Hauses Pleyel, einer
großen und angesehenen Klavier- und Harfenbaufirma in Paris. Der Hintergrund für den Auftrag waren neue Entwicklungen
im Harfenbau. Pleyel stand hierbei in Konkurrenz mit der Firma Erard, die beide versuchten, mit neuen Techniken das
chromatische Spiel auf der seit jeher diatonisch gebauten Harfe zu verbessern. |
| Doppelpedalharfe und chromatische Harfe |
| Erard hatte die Doppelpedalharfe entwickelt, bei der die
Saiten durch Fußpedale in zwei Stufen je um einen Halb- und einen Ganzton nach oben gestimmt werden konnten. Pleyel
entwickelte als Gegenentwurf die chromatische Harfe, die die Saiten in zwei Reihen gekreuzt anrodnete. Dies entsprach in etwa
der Anordnung einer Klaviertastatur mit den diatonischen Saiten (was den weißen Tasten entspricht) auf der einen und pentatonisch
gestimmten Saiten (schwarze Tasten) auf der anderen Seite. Durch die Kreuzung etwa in der Mitte können beide Saitenreihen von
beiden Seiten erreicht werden, man muss dazu allerdings über und unter den Kreuzungspunkt greifen. |
| Beim Versuch, das jeweilige Modell auf dem Markt zu etablieren, entwickelte sich eine Konkurrenzkampf,
der auch über die Medien geführt wurde, und bei dem die beiden Firmen namhafte Komponisten einspannten. So bekam Debussy
von der Firma Pleyel 1904 den Auftrag für die "Deux Danses", wohingegen Erard ein Jahr später Maurice Ravel gewinnen konnte,
der 1905 die "Introduction et Allegro für Harfe, begleitet von Streichquartett, Flöte und Klarinette" vorstellte. |
| Der Konkurrenzkampf war dann doch recht schnell entschieden. Die chromatische Harfe konnte sich trotz der Schützenhilfe
Debussys nicht durchsetzen und verschwand vom Markt. Sie wurde noch bis 1930 gebaut (1), und im Pariser Konservatorium
konnte bis 1933 chromatische Harfe studiert werden. Auch in Brüssel wurde eine Klasse für chromatische Harfe eingerichtet,
die bis 1953, und dann wieder von 1973 bis 2005 bestand. (2) |
| Die beiden Danses gehören heute zum festen Repertoire und werden, obwohl sie extra für
chromatische Harfe geschrieben wurden, auf modernen Doppelpedalharfen aufgeführt. |
| Uraufführung |
| Die Uraufführung fand am 6. November 1904 in den Concerts Colonne statt. |
| Deux Danses |
| Debussy schrieb zwei Tänze: den "Danse sacrée", den geistlichen Tanz, und den "Danse
profane", den weltlichen Tanz. Dabei geht der "Danse sacrée" direkt, also ohne Pause, in den "Danse profane" über.
Letzterer steht im 3/4-Takt und besitzt einen sehr tänzerischen Charakter, wohingegen der "Danse sacrée" durch
den langsamen 3/2-Takt eher an einen altertümlichen Schreittanz erinnert. Beide Tänze sind ungefähr
fünf Minuten lang. Obwohl sie 1904, also in Debussys mittlerer Schaffensperiode, parallel zu wichtigen Werken wie "La Mer"
entstanden, haben sie eine vergleichsweise einfache Tonsprache und eingängige melodisch-harmonische Gestaltung. |
| Danse sacrée |
| Der erste der beiden Danses beginnt mit einer für Debussy typischen einstimmigen Melodielinie der
Streicher, die laut Anweisung "doux et expressiv", also weich und ausdrucksvoll gespielt werden soll. |

Notenbeispiel 1 als
Midi-File |
| Wie bei so vielen seiner Werke lässt Debussy bei diesem Anfang das Metrum im Unklaren. Die
Melodie schwebt ohne Betonungen dahin, um auf einem langen Ton stehen zu bleiben. Erst da wird durch pizzicati in den
Violinen, Celli und Kontrabässen ein hörbares Metrum installiert. Die Melodie ist aus pentatonischem Material
gebaut; ein alte Skala, die Deubssy gern verwendet, wenn er auf die Tradition der Kirche verweisen will. |
| Nach der siebentaktigen doch recht statischen Einleitung setzt die Harfe mit einem bewegteren Motiv ein. |

Notenbeispiel 2 als
Midi-File |
| Dieses Motiv erinnert sehr an das Kathedralenthema aus Debussys sechs Jahre später entstandenem
Prélude La Cathédrale engloutie. Es fehlt eigentlich
nur der tiefe Orgelpunkt. Das ist sicher kein Zufall, benutzt Debussy die parallelen Dreiklangsschichtungen im langsamen
3er-Takt beide Male, um einen geistlichen Kontext herzustellen (nähere Erläuterungen dazu bei
La Cathédrale engloutie). Auch die Quart- und Quintakkorde
in den Takten 15 und 16 finden sich später in "La Cathédrale engloutie" wieder. |
| Das Harfenmotiv kommt am Schluss des ersten Danse wieder und bleibt nach acht Takten auf zwei in Quarten
hin- und herpendelnden Akkorden stehen (T. 77ff.). Nach einem dreitaktigen Harfenintermezzo läuft der Satz auf dieser
Pendelbewegung im Bassregister aus. |

Notenbeispiel 2 als
Midi-File |
| Was wie ein fade out klingt, ist in Wirklichkeit der Link zum zweiten Danse, da
die Pendelbewegung als Bassstimme des Themas des zweiten Danse nahtlos fortgeführt wird. |
| Danse profane |

Notenbeispiel 2 als
Midi-File |
| Dieses Thema durchzieht den ganzen Danse profane in immer neuen Varianten, wie zum Beispiel die
Mollvariation ab T. 63. Die von Debussy verwendeten Septnonakkorde werden so auch im Jazz gespielt. |

Notenbeispiel 2 als
Midi-File |