| Ganztonleiter |
| "Voiles" ist eine der bemerkenswertesten Klavierkompositionen Debussys.
Das Stück ist dreiteilig aufgebaut, wobei jeder Teil sich konsequent
auf die Verwendung eines bestimmten Tonmaterials beschränkt. Im ersten
und dritten Teil benutzt Debussy die Ganztonleiter; eine sechstönige
Tonleiter, die nur aus Ganztonschritten besteht. |
oder anders geschrieben:
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Notenbeispiel als
Midi-File
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| Kombiniert man die Töne der Ganztonleiter, können aufgrund
des Fehlens von Halbtonschritten keine Dur- oder Molldreiklänge entstehen.
Es entstehen nur übermäßige Dreiklänge, also Dreiklänge,
die aus zwei aufeinandergeschichteten großen Terzen bestehen. |
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Notenbeispiel als
Midi-File
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| Dadurch kann es in der Musik zu keinerlei harmonischen Spannungs- oder
Entspannungsmomenten kommen, die durch Dur- und Mollakkorde möglich
sind. Die Musik klingt sehr statisch. Vergleichbar ist dies mit einem Würfel,
der, egal wie er fällt, von allen Seiten gleich aussieht. Auch bei
einer Ganztonleiter macht es durch den völlig regelmäßigen
Aufbau und dem dadurch entstehenden Fehlen eines Leit- und Grundtons im Prinzip
keinen Unterschied, von welchem Ton aus man sie spielt. |
| Pentatonik |
| Die von Debussy im Mittelteil verwendete Tonleiter ist pentatonisch
aufgebaut. Die Pentatonik ist eine alte, halbtonlose Tonleiter aus
fünf verschiedenen Tönen (griech. penta = fünf). |
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| Auffallend ist die Konsequenz, mit der Debussy in den verschiedenen
Teilen ausschließlich nur das Tonmaterial dieser beiden Leitern verwendet. |
| Voiles |
| Auch bei "Voiles" läuft die Musik wieder in drei verschiedenen Ebenen
ab. Als unterste Ebene ruht das ganze Stück auf dem Ton b (Orgelpunkt).
Das thematische Material der beiden oberen Ebenen besteht hauptsächlich
aus zwei Motiven. Diese kommen in wechselnden Beleuchtungen und Kombinationen
im Lauf des Stücks immer wieder. |
Anfangsmotiv, T. 1
Notenbeispiel als
Midi-File |
Motiv 2, T. 7
Notenbeispiel als
Midi-File |
| Die Verzahnung zwischen den ganztönigen Teilen und dem pentatonischen
Mittelteil geschieht durch die Ausnutzung des gemeinsamen Tonmaterials
der beiden Tonleitern |
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| in Verbindung mit folgendem Motiv: |
T.23, ganztönig
T.42, pentatonisch |
Notenbeispiele als
Midi-File
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| Bezug zum Impressionismus |
| In "Voiles" ist Debussys Nähe zu den impressionistischen Malern
sehr deutlich zu sehen. Er benutzt im eigentlichen Sinne keine Themen,
sondern nur noch Motive, die in wechselnden Beleuchtungen immer wieder
nur für Augenblicke auftauchen und kurz danach schon wieder verschwunden
sind - genau so wie die impressionistischen Maler ihre Farben auf die Leinwand
tupfen. Dieses Spiel mit den Klangfarben macht den eigentlichen Reiz dieser
Musik aus. |
| Genauso zart wie die Farben der Impressionisten ist auch die Dynamik,
die Debussy vorschreibt. Sie bewegt sich in weiten Teilen des Stücks
nur zwischen pianissimo und piano und ist selbst in diesem schmalen Lautstärkebereich
noch genauestens ausdifferenziert. |
Die Noten von
Voiles
als pdf-File. |