Debussy
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La Puerta del Vino Die Weinpforte
Maurisches Tor der Alhambra, der Burg über Granada, die zwischen 1230 und 1270 gebaut wurde. Sie ist auf einer farbigen Postkarte abgebildet, die Debussy von Manuel da Falla 1910 erhalten hatte.

Durch Klicken des Bildes kann eine größere
Version mit ca. 200 K geladen werden.

Von dieser Postkarte ließ sich Debussy zu seinem zweiten Klavierstück mit spanischem Kolorit anregen. Schon 1903 hatte er beim Mittleren der drei Estampes, "La soirée dans Grenade", die andalusische Thematik verarbeitet. Dies ist auch das leichter zugängliche Stück, wenn man die Tonsprache der beiden vergleicht.
Bei beiden dient die Habanera-Begleitung als rhythmische und auch harmonische Grundlage.
Notenbeispiel als Midi-File
Da diese Begleitung im Habanera-Rhythmus meist ostinat ist, also die Tonhöhe nicht verändert, die Oberstimmen aber durch verschiedene Harmonien gehen, ergeben sich bitonale Klangwirkungen. Bitonal bedeutet, dass zwei verschiedene Tonarten gleichzeitig erklingen. Bei "La Puerta del Vino" sind diese Klänge extremer und gewagter als bei "La soirée dans Grenade".
Schon das Anfangsthema ab T.5 setzt der Habanera-Begleitung in Des -Dur eine Melodie entgegen, die die Töne h, c, d und e benutzt. Das ergibt scharfe Dissonanzen wie Tritoni, große Septimen oder kleine Nonen. Diese Melodietöne werden im weiteren Verlauf mit parallel verlaufenden Septnonakkorden harmonisiert, bei denen der Melodieton die Terz des Akkords ist. Daraus ergeben sich folgende Akkorde: h: G7(9), c: Ab7(9), d: Bb7(9), e: C7(9). Zu diesen Akkorden klingt im Bass die Begleitung immer in Des-Dur.
Debussy macht hier auch ausgiebigen Gebrauch von arpeggierten Akkorden, also Akkorde, bei denen die Töne nicht gleichzeitig, sondern kurz nacheinander angeschlagen werden. Dies soll das Schlagen von Gitarrensaiten imitieren.
Es bleibt festzuhalten, das "La puerta del vino" bei weitem nicht so viel Charme versprüht wie sein Vorgänger, "La soirée dans Grenade". Was dort spontanes, rauschendes, spanisches Klangfestival ist, wirkt bei der "Weinpforte" nüchtern, kühl und durchdacht. Vielleicht ist es hier auch schon so wie im Kino oder in der Popmusik: ein Erfolg kann nicht mit den gleichen Mitteln wiederholt werden. Die Fortsetzung eines Filmhits oder die Nachfolgesingle im gleichen Sound sind oft nur ein müder Abklatsch des Originals. "La puerta des vino" ist nichtsdestotrotz ein niveauvolles und interessantes Spiel mit Rhythmen und harmonischen Strukturen, nur das Herz schlägt für den "Abend in Granada".

La Puerta del Vino ist hier ganz als mp3 anzuhören.
Die Noten von La Puerta del Vino als pdf-File.

 
©2000 by Jochen Scheytt
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