| Allgemeines |
| Die Deux Arabesques gehören zu den frühen Klavierstücken Debussys. Über die genaue Enstehungszeit gibt es unterschiedliche
Informationen. Vallas und Fischer-Dieskau datieren die Arabesques auf das Jahr 1888, wohingegen Kabisch (MGG) und das
Centre de Documentation Claude Debussy die Jahre 1890-91 anführen.
Einig sind sich die Quellen bei der Veröffentlichung 1891. Die Uraufführung der zweiten Arabesque fand wohl 1894 statt, von der ersten ist
keine Uraufführung bekannt. |
| Von den frühen Werken sind die Deux Arabesques am bekanntesten. Vor allem die erste der beiden Arabesquen dürfte
Klavierschülern ein Begriff sein. Technisch nicht allzu schwer und gleichzeitig sehr wirkungvoll und charmant, ist sie ein beliebtes Klavierstück. |
| Die Deux Arabesques zeigen schon allererste Ansätze von Debussys eigener Tonsprache, die er dann im Lauf der Jahre entwickeln sollte. Traditionellen
Elementen wie der ABA'-Form, der Verhaftung in der Tonalität (Erste Arabesque: E-Dur, zweite Arabesque: G-Dur), klassischen Vortragsbezeichnungen
(Erste Arabesque: Andantino con moto, zweite Arabesque: Allegretto scherzando) und traditionellen Kompositionstechniken (romantisch geprägte Arpeggien in der ersten
Arabesque, barocke Spielfiguren und fugato-Teil in der zweiten) stehen schon vereinzelt in die Zukunft weisende Elemente gegenüber. Dazu zählen die parallele Verschiebung von
Akkorden, die plötzliche Ausweichung in andere Tonartenbereiche, verbunden mit einer anderen Klangfarbe, die Dreischichtigkeit und die innere
Zusammenhänge stiftende einheitliche rhythmische Basis. Insgesamt überwiegen die traditionellen Anteile gegenüber den neuen
Elementen, wobei die neuen den Arabesquen ihren speziellen Charme verleihen. |
| Titel |
| Eine Arabeske ist ein Ornament, beziehungsweise ein Verzierung, die ihren Ursprung in der islamischen Kunst hat. Als Motive
werden dabei Ranken und Blätter gewählt. In der Musik wird der Begriff in der Romantik ab und zu als Titel eines Charakterstücks
eingesetzt. Als Charakterstücke bezeichnet man instrumentale Musikstücke, die eine freie, nicht festgelegte Form besitzen und nach
ihrem Charakter, und nicht nach einem bestimmten Formmodell, wie zum Beispiel "Sonate" benannt werden. Ein Beispiel aus der Musikgeschichte ist die
1838/39 entstandene Arabeske op. 18 Robert Schumanns für Klavier solo. |
| Auf die Musik Debussys übertragen stellt der Titel Arabeske eine bildliche Assoziation zu den verschlungenen Linien des Ornaments her.
Dabei wird auch die Leichtigkeit, die den arabesken Ornamenten innewohnt, in Form eines durchsichtigen Klaviersatzes und eher zarter Dynamik
musikalisch ausgedrückt. Dies ist auch bei den beiden Debussyschen Arabesken zu beobachten. Während bei der ersten Arabesque die
Linien eher ausladend und verschlungen sind, bestimmt bei der zweiten Arabesque ein kleines Triolenmotiv quasi als Miniaturornament das Geschehen. |
| Erste Arabesque |
| Die erste Arabesque beginnt einstimmig mit einem über beide Hände verteilten girlandenähnlichen Motiv. Rein harmonisch
betrachtet handelt es sich dabei um vier parallel absteigende Dreiklänge: A-Dur, gis-Moll, fis-Moll und E-Dur, jeweils in der ersten Umkehrung. |
| Notenbeispiel 1
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Notenbeispiel 1 als Midi-File
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| Dieses Verfahren weist schon auf Debussys spätere Kompositionstechnik der parallel verschobenen Akkorde hin, allerdings mit einem
wichtigen Unterschied. Rückt er später nur Akkorde der exakt gleichen Struktur, so sind die Akkorde bei der ersten Arabesque noch in der
Tonart E-Dur verhaftet. So erklärt sich auch der Wechsel zwischen Dur- und Mollakkorden. Diese Akkorde sind nun gebrochen, abwechselnd von unten
nach oben und umgekehrt. Die reine Dreiklangsbrechung in Achteltriolen würde so aussehen:
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| Notenbeispiel 2
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Notenbeispiel 2 als Midi-File
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| Debussy ersetzt nun bei der Bewegungsumkehrung oben die letzte Note des aufsteigenden Dreiklangs durch eine Durchgangsnote, die einen
weicheren und runderen Übergang bewirkt und somit einer Girlande oder Ranke viel mehr entspricht.
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| Notenbeispiel 3
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Notenbeispiel 3 als Midi-File
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| Im weiteren Verlauf ab Takt 6 setzt Debussy beim Thema des A-Teils den Achteltriolen in der Oberstimme Achtelnoten in der Unterstimme gegenüber, was
rhythmisch einen schwebenden Eindruck hinterlässt. Dieser wird verstärkt durch die Unterschiedlichkeit der beiden Linien. Die der
Oberstimme läuft unter ständiger Änderung der Bewegungsrichtung abwärts, bevor sie im zweiten Takt ihren Bewegungsimpuls
verliert, dabei auf einer Synkope stehen bleibt und anschließend sanft ausläuft.
Das Ornament in der Unterstimme verläuft dagegen eintaktig in einer auf- und wieder absteigenden Wellenform.
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| Notenbeispiel 4
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Notenbeispiel 4 als Midi-File
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| Das Thema des B-Teils zeigt deutlich eine Technik, die Debussy später meisterhaft anwandte. Er verknüpft den B-Teil
fast unmerklich mit dem A-Teil, um einen inneren Zusammenhang zwischen beiden herzustellen. Dies geschieht einerseits dadurch, dass der A-Teil
auf einem Einzelton e stehenbleibt, der in den B-Teil hinübergebunden wird und somit beide Teile verbindet.
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| Notenbeispiel 5
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Notenbeispiel 5 als Midi-File
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| Es gibt aber noch einen viel wichtigeren inneren Zusammenhang, der auf den ersten Blick gar nicht auffällt, da beide Teile sehr
unterschiedlich aussehen und den Arpeggien des Anfangsteils im Mittelteil ein akkordischer Satz gegenübersteht. Der Rhythmus des ersten Takts
des Themas im B-Teil (Notenbeispiel 5, Takt 2) ist vom Rhythmus des Themas des zweiten Takts im A-Teil (Notenbeispiel 4, Takt 2) abgeleitet. Dies wird allerdings erst
richtig deutlich, wenn man die Achtelnoten auf den unbetonten Schlägen weglässt (Notenbeispiele 6 u. 7).
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| Notenbeispiel 6
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 Notenbeispiel 7 
Notenbeispiel 7 als Midi-File
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| Die Synkopierung auf Schlag 2, die neben der Triole das Charakeristikum dieses Rhythmus darstellt, ist nun rhythmische Grundlage
des ganzen B-Teils und findet sich in fast jedem Takt dieses Teils wieder. Auch
die Triolen, die nach acht Takten im B-Teil in einer wiederholten, über vier Takte hinweg aufsteigenden Welle das schlichte Thema des B-Teils
unterbrechen, werden im Bass von dieser Synkopierung begleitet.
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| Eine weitere Reminiszenz an den Ursrpung des Themas im A-Teil findet sich in der Tatsache, dass die Eingangstriolen auch im B-Teil von
zwei geraden Achteln begleitet werden.
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| Zweite Arabesque |
| Die zweite Arabesque wird von einem kurzen Motiv bestimmt, das nur die Länge einer Viertelnote besitzt. Es besteht aus einer
Sechzehnteltriole, einer Art Pralltriller, gefolgt von einer absteigenden Achtelnote. Beim ersten Auftreten ist das Intervall zwischen
der Hauptnote der Triole und der folgenden Achtelnote eine Quinte. Dieses Intervall ist allerdings im weiteren Verlauf variabel.
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| Notenbeispiel 8
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Notenbeispiel 8 als Midi-File
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| Wie bei einem Ornament wird nun dieser kleine Baustein in immer neuen Kombinationen zu einem größeren Ganzen zusammen gesetzt,
zum Beispiel in Takt 1.
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| Notenbeispiel 9
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Notenbeispiel 9 als Midi-File
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| Interessant ist hier besonders der B-Teil ab Takt 37. Debussy komponiert hier in mehreren Schichten oder Ebenen, die gleichzeitig
ablaufen. Meist sind dies drei Schichten. Sehr deutlich kann man das an der Stelle ab Takt 49 sehen. Hier weicht Debussy ohne Modulation in die Tonart
E-Dur aus.
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| Notenbeispiel 10
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Notenbeispiel 10
als Midi-File
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| Man kann die drei Schichten hier gut erkennen. Die Oberstimme hat die Melodie, die mittlere Schicht verläuft in einer Terzenbewegung
in Viertelnoten und die unterste Schicht, die Bassstimme liegt auf einem Orgelpunkt, einer ganzen Note. Debussy ist allerdings bei der Notation
nicht konsequent. Die erste Note im oberen System h müsste genau so wie das cis1 auf Schlag zwei auch nach unten gehalst sein, um deutlich zu
machen, dass diese beiden Noten sowohl zur oberen, wie auch zur mittleren Schicht gehören.
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| Notenbeispiel 11
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| Sehr interessant zu bemerken ist noch, dass sowohl in der ersten wie auch in der zweiten Arabesque das Thema des kantablen Mittelteils
im ersten Takt exakt den gleichen Rhythmus hat. Dies dürfte wohl kein Zufall sein, sondern ist wohl eher als Bestreben Debussys zu sehen, die
beiden in thematischem Zusammenhang stehenden Klavierstücke bei aller Unterschiedlichkeit musikalisch zusammenzuknüpfen.
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