Debussy
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La cathédrale engloutie Die versunkene Kathedrale
Alte bretonische Legende der im Meer versunkenen Stadt Ys, die im 4. oder 5. Jahrhundert wegen der Pietätlosigkeit ihrer Bewohner versenkt wurde. Sie ist immer bei Sonnenaufgang als mahnendes Beispiel sichtbar.
Debussys Prélude "La Cathédrale engloutie" liegt die alte bretonische Legende der versunkenen Stadt Ys zugrunde.

Die Flucht des Königs Gradlon
Die verschiedenen Versionen der Legende unterscheiden sich teilweise erheblich. Verschieden erzählt wird, wie die Stadt erbaut wurde und wie sie zu ihrem immensen Reichtum kam. Auch die Sturmnacht, in der die Stadt in den Fluten versinkt, und die Rettung von König Gradlon wird unterschiedlich erzählt. Allen gleich ist jedoch, dass der König für seine Rettung seine Tochter Dahut den Fluten und somit dem Tod übergeben muss.
Auch heute noch soll der Sage nach Dahut, ihr langes blondes Haar kämmend, den Fischern in Mondnächten als Sirene erscheinen. Oft wird auch erzählt, dass die Stadt bei Sonnenaufgang als mahnendes Beispiel aus dem Meer auftaucht. Außerdem sollen an klaren, windstillen Tagen die Fischer die Glocken der untergegangenen Stadt hören.
Deubssy hat wohl letztere beide Überlieferungen für sein Prélude zur Grundlage genommen. Nachdem das Stück am Anfang aus dem pianissimo heraus entsteht, ist in der Mitte ist das Thema der Stadt, bzw. der Kathedrale in vollem Glanz zu hören (Notenbeispiel, T. 28-32), bevor es am Ende in tiefer Lage wieder unter Wasser verschwindet.
Notenbeispiel als Midi-File
Musikalisch basiert das ganze Stück im Grunde auf einem kurzen Motiv, das als das Schlagen von drei Glocken interpretiert werden könnte. Dieses Motiv, das aus einer aufsteigenden Sekunde und einer Quart beziehungsweise einer Quint besteht, findet sich als Grundelement im ganzen Stück wieder. Auch das Kathedralenthema (s. obiges Notenbeispiel) beginnt mit diesem Motiv. Im folgenden Notenbeispiel (T.20) finden sich beide Varianten direkt hintereinander.
Notenbeispiel als Midi-File
Debussy arbeitet in diesem Prélude bewusst mit archaischen Elementen. Sowohl der Einsatz alter Kirchentonarten - die im Mittelalter vor dem Aufkommen der Dur- Molltonalität verwendeten Skalen - und die Verwendung von Quart- und Quintschichtungen bei Akkorden - die ersten Intervalle, mit denen mehrstimmig gesungen wurde - deuten auf die Zeit hin, in der die Legende angesiedelt ist. Beim große Kathedralenthema ab T.28 (s. oben) finden sich musikalische Mittel, die für die Orgel typisch sind: die Kirchentonart myxolydisch auf g als Tonmaterial, der tiefe, gleichbleibende Basston als Orgelpunkt und die parallele Führung der Oberstimmen wie in der Art von Mixturklängen. Mixturen bei der Orgel sind Pfeifen, die an Tasten gekoppelt werden und in diesem festgelegten Intervallabstand immer mitklingen.

"La Cathédrale engloutie" ist hier ganz als mp3-File anzuhören, und zwar von drei verschiedenen Interpreten.

"La Cathédrale engloutie" als Noten.

Links
Verschiedene Versionen der Legende sind im französischen Original nachzulesen unter:
  • www.multimania.com/kurgan
  • www.chez.com/brunojls/Breizhonet/Bretagne/legendes/ys.htm

  • oder in, wenn auch schlechtem, Englisch:
  • http://www.bagadoo.tm.fr/kemper/villedys_E.html

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