Debussy
Seine Zeit
Die Musik
Werke
Anhang
 
Die deutschen Debussy-Seiten
Anhang
The Art of Noise: "The Seduction of Claude Debussy"
Debussy

Literatur
Ausgaben der Klavierwerke
Aufnahmen der Klavierwerke
The Seduction of Claude Debussy
Links
Downloads
Bildergalerie



Mail
Gästebuch
zurück zur Startseite
Im folgenden soll das Konzeptalbum "The Seduction of Claude Debussy" der Gruppe "The Art of Noise" vorgestellt werden. Es ist der einzige mir bekannte Versuch, die Musik Claude Debussy im Bereich der modernen populären Musik zu verarbeiten. Während es inzwischen fast unzählige Popversionen von Bachs Musik oder Beethovens Fünfter gibt, hat sich an die Musik Debussy noch niemand herangewagt.
Die Frage ist, warum das so ist. Bach allgemein oder auch Beethovens schnelle Sätze sind sehr rhythmische Musik, die ihr Tempo kaum oder gar nicht variieren, und deshalb gut in die Popmusik umsetzbar, die ja auch eine sehr starke, gleichbleibende rhythmische Komponente besitzt. Debussys Musik hingegen besitzt selten einen durchgehenden, über längere Zeit durchgehaltenen Rhythmus und ist oft sogar bewusst rhythmisch ungenau komponiert. Außerdem drängt sie oft nach vorn oder hält an, ändert also häufig das Tempo. Kann solche Musik Grundlage für Popmusik sein?
Nicht ohne weiteres, und das erklärt auch die Machart von "The Seduction of Claude Debussy". Oft werden nur kleinste Ausschnitte aus den Werken Debussys herausgeschnitten, manchmal nur eine kurze Harmonieverbindung oder ein kleiner Melodiefetzen, und anschließend geloopt, also endlos aneinander gehängt. Somit besitzen die Stücke auch keine innere Entwicklung, sondern sind mehr als Klangcollagen aufzufassen. Zusammen mit den Sounds aus den Samplern und Synthesizern, und den Beats, die darunter gelegt werden, ist das natürlich kein Debussy mehr, sondern ein ganz neuer Klangkosmos, der sich nur bei Debussy als Anstoß, als Inspiration bedient.
"The Art of Noise" sagen selbst in einem Interview: "We're very keen to point out that this isn't a Debussy record." Es ist einfach "The Art of Noise" at their best, und auf jeden Fall wert gehört zu werden.
Wer sind "The Art of Noise"?
Als Kopf der Gruppe darf sicherlich Trevor Horn (ganz rechts) bezeichnet werden. Er war in den 80ern einer der einflussreichsten und erfolgreichsten britischen Produzenten. Er stand hinter Gruppen und Interpreten wie Frankie goes to Hollywood, Yes, ABC, Seal, Rod Stewart und vielen anderen.
Die Gruppe "The Art of Noise" entstand 1983. Bei der Produktion von "The Seduction of Claude Debussy" im Jahr 1999, die nach langjähriger Pause entstand, waren noch drei Mitglieder aus der Anfangsformation dabei, nämlich neben Trevor Horn Paul Morley (2 v.l.) und Anne Dudley. Neu war der davor bei 10CC spielende Lol Creme.
"The Seduction of Claude Debussy"
"The Seduction of Claude Debussy" ist mit Sicherheit eines der interessantesten Projekte der letzten Jahre aus dem Klassik-Pop-Bereich. Stilistisch ist die Einordnung gar nicht leicht. Es ist eine Mischung aus Elementen von Klassik, Jazz, Pop, Hip-Hop, Rap und Ambient.
Die Stärke des Albums liegt in den tollen, meist elektronisch erzeugten Sounds, den Arrangements und der absolut perfekten Produktion. Reizvoll ist der bei einigen Titeln bewusst eingesetzte Kontrast zwischen der klassischen Singstimme von Sally Bradshaw und der Popstimme von Donna Lewis.
Zusammengehalten wird das Album von einem Erzähler, der die Tracks miteinander verbindet, und teilweise auch über den Titeln spricht. Er lässt Debussys Leben, seinen Charakter, und gewisse Eigenheiten Debussys am Zuhörer vorbeiziehen und gibt den Einzeltiteln somit einen Zusammenhang. Die Stimme des britischen Schauspielers John Hurt ist dabei sehr charakteristisch und ausdrucksstark; sie erinnert an die Sprechparts von Vincent Price bei Michael Jacksons "Thriller" oder Orson Welles bei Alan Parson's Projects "Tales of Mystery and Imagination".
Die einzelnen Tracks
1. Il pleure (at the turn of the century)
2. born on a sunday
3. dreaming in colour
4. on being blue
5. continued in color
6. rapt: in the evening air
7. metaforce
8. the holy egoism of genius
9. la flûte de pan
10. metaphor on the floor
11. approximate mood swing no: 2
12. pause
13. out of this world (version 138)
Fazit
Als Fazit kann man das Album ohne Bedenken all denjenigen empfehlen, die gegen kreativen Umgang mit klassischem Material nichts einzuwenden haben, und sich an wunderbaren Sounds und Arrangements erfreuen können; ein bisschen Zeit zum Einhören vorausgesetzt. Für Puristen unter den Debussy-Fans ist Vorsicht geboten, und man muss Debussy nicht unbedingt kennen, um an dem Album Gefallen zu haben.

 
©2003 by Jochen Scheytt
  zurück zur Startseite | Gästebuch | Mail