| Einordnung |
| Die "Romance" besitzt schon sehr viel Charme und viel von der Leichtigkeit Debussys späterer Werke,
zählt aber sicherlich nicht zu den bedeutendsten Werken Debussys. In der Literatur wird sie deswegen oft gar nicht
erwähnt oder wird sehr schlecht beurteilt. Strobel schreibt nur lapidar: "Die beiden Romanzen nach Bourget sind ohne
Bedeutung." (2) Bei Vallas heißt es immerhin: "Alles daran ist liebenswürdig, von einem alltäglichen
Massenet-Stil und ohne irgendeinen persönlichen Charakterzug." (3), außerdem findet Vallas "gefällige,
wiegende Sextbewegungen". (4) |
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| Nun kann nicht jede Komposition eines sich in seiner Entwicklung befindlichen Musikers ein Meisterwerk sein,
und dennoch ihre Berechtigung haben. Und dass Debussy hier keine persönliche Handschrift hinterlassen hat, darf dann
doch durchaus bezweifelt werden. Werke ohne persönliche Handschrift, hätte Debussy nicht verlegen lassen, auch nicht unter
dem Druck akuter Geldsorgen. |
| Musikalische Merkmale |
| Die "Romance" ist ganz klassisch dreiteilig angelegt (ABA'). Der A-Teil wird dabei von einem Hauptmotiv geprägt,
das ganz am Anfang im Klavier zu finden ist. |

Notenbeispiel als
Midi-File |
Auffallend ist, dass das Motiv im ersten A-Teil ausschließlich im Klavier vorkommt. Erst gegen Ende,
beim dynamischen Höhepunkt des Lieds, am Beginn des Teils A' in Takt 22, übernimmt die Singstimme das Motiv,
das im Klavier gleichzeitg in Oktaven verläuft. Allerdings behält die Singstimme das Motiv nur vier Töne
lang, bevor die Weiterführung wieder dem Klavier überlassen wird. |
| Die Singstimme beginnt dagegen in Takt 3 in den verklingenden Akkord des Klaviers in deklamatorischer Art
mit einer Tonrepetition in tiefer Lage. Diese dem Sprachduktus angenäherte Kompostionsweise wird von Debussy oft
gewählt. Die Repetition steigt halbtaktig jeweils um eine Terz an und bildet somit in den ersten beiden Takten
einen e-Moll-Dreilklang. Begleitet wird sie dabei im Klavier mit einer Wiederholung des Hauptmotivs in tiefer Lage. |
| Erst in Takt 6 beginnt die Singstimme, eine melodische Eigenständigkeit zu entwickeln und wird im
Klavier zum ersten Mal mit dem für dieses Lied typischen synkopischen Rhythmus aus Achteln und Viertelnote begleitet.
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Notenbeispiel als
Midi-File |
| Der B-Teil wird von einer der jeweiligen Harmonik angepassten ostinaten Figur in der Oberstimme des Klaviers
beherrscht, über die sich die Gesangsstimme in weiten Bögen aufspannt.
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Notenbeispiel als
Midi-File |
| Schlusswendung |
| Beim Übergang vom drittletzten zum vorletzten Takt findet sich eine harmonische Schlusswendung,
die Debussy in seinen späteren Werken tunlichst vermieden hat: eine Dominant-Tonika-Verbindung wie sie in der
klassischen und romantischen Musik gang und gäbe war. Er mildert die Wirkung zwar ab, in dem er in der Singstimme
die Melodie vom Leitton cis nicht zum d weiterführt, wie das der Konvention entsprochen hätte, sondern zum a
abspringen lässt. Es sind aber solche Elemente, die die Romance ganz klar als Frühwerk Debussys
identifizieren.
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Die Romance als
Noten (pdf). |