| Entstehung: |
- beendet im Sommer 1903
- erschienen bei Durand am 20.10.1903
- Uraufführung am 09.01.1904 durch Ricardo Viñes
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| Die Estampes sind Deubssys erstes reifes, stilistisch geschlossenes
Klavierwerk und gleichzeitig sein erstes mit poetischen Titeln. Zwischen
den einzelnen Stücken gibt es keine thematischen Bezüge. Alle
drei befinden sich an verschiedenen Schauplätzen: "Pagodes" im fernen
Osten (genauer Java), "Soirée dans Grenade" in Spanien und "Jardins
sous la pluie" in Paris. Debussy schreibt dazu: "Wenn man nicht das
Geld hat, Reisen zu machen, muss man es im Geist tun." |
| Pagoden |
Pagoden sind fernöstliche turmartige Tempelbauten mit mehreren
aufeinandergebauten, nach oben sich verjüngenden Dächern.
Auf den Weltausstellungen, die 1889 und 1900 in Paris stattfanden,
hörte Debussy die dort spielenden Gamelanorchester aus Java, dem heutigen
Indonesien. Er war sofort begeistert von dieser in Europa bisher ungehörten
Musik und begann, musikalische Elemente dieser Musik in seine Werke einzubauen. |
| Gamelanorchester |
| Gamelanorchester bestehen typischerweise aus verschiedenen Gong-
und Metallplattenspielen, helleren Stabplattenspielen, Gongs und Trommeln.
Sie spielen mit Tonsystemen, bei denen im Gegensatz zu unserem europäischen
System die Oktave nicht in acht, sondern in fünf Intervalle eingeteilt
ist. Es werden hauptsächlich zwei verschiedene Skalen, Slendro und
Pelog, verwendet, die sich das europäische Ohr als pentatonische Skala
oder Ganztonleiter zurechthört. |
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Typisch ist auch die Struktur dieser
Musik. Vereinfacht kann man sagen, dass die tiefen Instrumente lange Töne
spielen und somit eine Art Fundament legen, die mittleren Instrumente mäßig
bewegte Figuren spielen, während die hellen, hohen Instrumente die
schnellsten Bewegungen machen. |
| Pagodes |
| Debussy setzt diese Elemente in Pagodes konsequent um. In den
ersten beiden Takten kann, man sogar optisch jeweils eine Pagode erkennen.
Notenbeispiel als
mp3-File (108 KB)
Die Bewegung der Oberstimmen steigert sich im Laufe des Stücks
bis zu einer weit ausladenden, über mehrere Oktaven sich erstreckenden
Figur, mit der das Stück endet. Durch die fast ausschließliche
Verwendung der Pentatonik besitzt das Stück einen sehr statischen
Charakter, der durch viele ostinate, also sich immer wiederholende, Motive
verstärkt wird. |
| Soirée dans Grenade: |
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"Hier steht Andalusien vor uns, Wahrheit ohne Authentizität,
könnte man sagen..." Dieses Zitat des spanischen Komponisten Manuel
da Falla trifft genau den Punkt, denn obwohl Debussy keine wirklichen folkloristischen
Elemente verwendet, trifft er das spanische Kolorit ganz genau. Außerdem war Debussy noch nie
in Spanien gewesen, als er das Stück schrieb. |
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Auffallend ist das langsame Einblenden und Verschwinden der Musik und
der Einschub von "Musikfetzen", die von irgendwoher sozusagen herüberwehen.
Zusammengehalten wird das Ganze durch den durchgehenden Habanera-Rhythmus
und harmonische Felder, bzw. Zentren. |
| Jardins sous la pluie:
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| Das dritte und letzte Stück der Estampes beschreibt den Regen
im Bois de Boulogne, einem Park in Paris, dessen Prasseln als ständige
Sechzehntel-, bzw. Achteltriolenbewegung dargestellt wird. In diese Bewegung
hinein hat Debussy zwei französische Kinderlieder verwoben, die er
allerdings nicht immer in der originalen Gestalt verwendet. |
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1. Prom'nons nous dans la bois (Do, do, l'enfant do)
Notenbeispiel als
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Dieses Lied wird nur einmal vollständig verwendet (T.27 ff.). In
den restlichen Fällen beschränkt sich Debussy auf den zweiten
und dritten Takt der Melodie. Ab T.83 erscheint es ganztönig.
2. Nous n'irons plus au bois
Notenbeispiel als
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Dieses Lied wird von Debussy in folgender Gestalt verwendet:
Notenbeispiel als
Midi-File
Hier besteht eine Beziehung zum dritten Stück der Images
oubliées, wo das Lied in fast der gleichen abgewandelten Gestalt
auftritt. |
| Links
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| Wer sich etwas näher mit Gamelanmusik und Debussys Beschäftigung damit
befassen möchte, dem sei die folgende Webseite von
Brent Hugh empfohlen. |
Die Noten der
Estampes
gibt es bei der Piano Society als pdf-File.
Alle drei Stücke der Estampes sind
hier ganz als mp3-Files anzuhören und downzuloaden. |