| Entstehung |
| Der Zyklus Children's Corner entstand entstanden zwischen 1906 und 1908 und wurde 1908 bei Durand mit einem
von Debussy selbst entworfenen Titelblatt veröffentlicht. Die Uraufführung fand am 18.12.1908 statt. Der Pianist war
Harold Bauer
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| Chouchou |
Children's
Corner ist Debussys Tochter Claude-Emma, gennant Chouchou, gewidmet. Sie
war am 30.10.1905 zur Welt gekommen und starb schon kurz nach Debussys
Tod im Juli 1919 an einer Diphterie-Infektion. Die Widmung lautete "Meiner
geliebten kleinen Chouchou, mit zärtlichen Entschuldigungen ihres
Vaters für das, was folgt..." Beeinflusst wurde Debussy bei der Komposition
von Modest Mussorgksys Liederzyklus "Kinderstube", den er begeistert
rezensiert hatte. Auffallend ist, dass sowohl der gesamte Zyklus, sowie fünf der
sechs Einzelstücke englische Titel tragen. Dies ist sowohl Ausdruck von Debussys allgemeiner Begeisterung für England
und alles Englische, wurde aber natürlich auch von Chouchous englischer Gouvernante Miss Gibbs beeinflusst.
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| Doctor Gradus ad parnassum |
Der Titel ist eine ironische Anspielung auf Muzio Clementis Klavierschule
"Gradus ad parnassum" (Schritt zum Parnaß, dem Dichter- und Künstlertempel, 1817)
Debussy: "Das ist ein Art hygienischer und fortschreitender Gymnastik;
es empfiehlt sich daher, das Stück jeden Morgen auf nüchternen
Magen zu spielen, moderato beginnend, um lebhaft zu enden."
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| Jimbo's Lullaby |
| ist das Wiegenlied eines Elefanten. Die anfangs in tiefer Lage vorgetragene, etwas
linkische Melodie wird zuerst nur von Sekundintervallen begleitet, etwa wie wenn ein kleiner Stoffelefant,
der auf die Tasten gesetzt wird, in seiner Tapsigkeit mit seinen breiten Vorderfüßen
immer gleich zwei Tasten zusammen herunterdrückt.
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| Serenade for the doll |
| Hört man den Beginn von "Serenade for the doll", denkt man unwillkürlich an
eine mechanische, aufziehbare Puppe. Über einen roboterhaften, gleichmäßigen, staccato gespielten
Rhythmus wird ein Thema gestellt, bei dem bei jeder Note ein Vorschlag vorgesetzt wird, und somit ein
maschinell nachklappender Eindruck entsteht.
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| Das Stück war unter dem Titel "Sérénade à la Poupée" schon vor dem ganzen
Zyklus als Einzelstück veröffentlicht worden.
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| The snow is dancing |
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Dieses Stück steht in d-Moll, einer Tonart, die bei Debussy Kälte
symbolisiert (wie bei "De pas sur la neige" (Schritte im Schnee) aus den "Préludes I"). Die fast durchgängigen,
leggiero und piano bis mezzopiano zu spielenden Sechzehntel stellen das Schneetreiben dar.
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| The little Shepherd |
| "The little Shepherd" beginnt mit einer wie improvisiert klingenden unbegleiteten "Flöten"melodie und erinnert
damit an Debussys Orchesterwerk "Prélude à l'après-midi d'un Faune". An die Melodie schließt sich ein
tänzerisch bewegtes, sich wiegendes Motiv an, das sogleich auf einer lang ausgehaltenen Note stehen bleibt, und sich nach
der Wiederholung in einem Durakkord auflöst. Das Stück ist ganz in weichen Farben gehalten und soll selbst auf dem
Höhepunkt in Takt 24 nur mezzoforte gespielt werden. Es verklingt schließlich im dreifachen piano.
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| Golliwog's Cakewalk |
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Ein Golliwog ist eine Puppe mit schwarz gefärbtem Gesicht und schwarzen, vom Kopf abstehenden
Haaren. Sie wurde von der britischen Illustratorin Florence Upton, die die Anregung während ihrer Kindheit
in den USA aus dem Umfeld der Minstrel Shows erhielt, für eine Serie von Kinderbüchern
erfunden, die zwischen 1895 und 1912 veröffentlicht wurden. Die Texte in Reimform stammten von ihrer
Mutter Bertha Upton. Die Golliwog-Puppe gewann schnell an Popularität, die bis in die 50er Jahre
anhielt. In den Achtzigern wurde die Puppe allerdings ein Opfer der political correctness. Debussy hat die Figur
wahrscheinlich durch Miss Gibbs kennengelernt. |
| Bei Debussy sind außer dem "Golliwog's Cakewalk" noch "The little negro"
und Général Lavine - excentric aus den
Préludes Band II stark von der Minstrel Show beeinflusst. Für nähere Informationen siehe
"The little negro".
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| Daher ist die musikalische Gestaltung ähnlich wie in den beiden genannten Stücken: synkopierte Rhythmen
in der rechten Hand und die Begleitfigur aus gleichmäßigen Achteln links. Debussy folgt hier einem allgemeinen Trend
im Frankreich der Jahrhundertwende, Jazz-Elemente in die Kunstmusik zu integrieren. Andere
Beispiele hierfür sind u.a. Maurice Ravels "Blues" aus der Violinsonate oder Igor Stravinskys "Ragtime".
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| Der langsame Mittelteil von Golliwog's Cakewalk enthält ein Zitat
des berühmten Tristan-Akkords aus Richard Wagners Oper "Tristan und
Isolde", der am Ende des 19. Jahrhunderts die Auflösung der herkömmlichen
tonalen Beziehungen in der Musik symbolisiert. Dies geschieht dadurch, dass Wagner in diesen beiden Anfangstakten der Oper
keine Tonart installiert, sondern diese durch eine Modulation sofort in Frage stellt, beziehungsweise negiert. Das Scharnier
ist dabei der farblich hervorgehobene Akkord in Takt zwei (der berühmte Tristan-Akkord), der durch seine harmonische
Unbestimmtheit von einer Tonart zur nächsten führt und die tonale Loslösung erst ermöglicht.
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Notenbeispiel als
Midi-File
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| Debussy hatte ein sehr zwiespältiges Verhätnis zu Wagner, den er in seinen jungen Jahren sehr verehrt,
später aber genauso heftig abgelehnt hatte. Dies ist hier deutlich zu sehen, indem er den Tristan-Akkord richtiggehend
trivialisiert. Statt ihn zur Modulation zu nutzen, verwendet er ihn als herkömmliche Dominante (Des7), um dann zwei Takte
später wieder in die Tonika Ges-Dur zurückzukehren. Und wie um die Ironie auf die Spitze zu treiben, schickt er
dem Tristan-Akkord als Echo auch einige spitze, wie Lacher klingende Achtel in hoher Lage hinterher.
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Notenbeispiel als
Midi-File
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| Schlussendlich ist wohl auch die Tatsache, dass Debussy das Zitat des von Wagner stark verehrten großen
klassischen Dramenstoffes "Tristan und Isolde" in den Kontext der professionellen Nonsens-Maschinerie Minstrel Show stellt,
als weiterer Nadelstich zu verstehen.
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| Links |
| Eine Seite rund um die Golliwogg-Puppe mit Ausschnitten aus Florence Uptons Kinderbüchern
finden sich unter
www.golliwogg.co.uk/. |
Der Zyklus lässt sich
hier als mp3-Files anhören und downloaden.
Der ganze Zyklus als
Noten.
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